Parallelgesellschaft

isotopp image Kristian Köhntopp -
December 8, 2018
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Morgenandacht mit Nora Steen : die theologische Leiterin des Christian Jensen Kollegs der Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland in Breklum redet einer Parallelgesellschaft das Wort. Sie romantisiert in ihrer Predigt Immigranten, die sich weigern, sich in die Bräuche und Traditionen ihres Gastlandes zu integrieren, und stattdessen ihre fremde Religion, ihre fremden Feiertage und auch ihre fremde Kultur mit verzweifelten Importen am Leben zu erhalten versuchen.

“Kreuzkirche Tokyo” ,Transkript:

Die Luft ist frisch und kühl. Leichter Dunst liegt auf dem Hügel und in der Ferne schreien Raben. Es ist früh am Morgen und es ist still. Obwohl dieser verwunschene Ort mitten in Tokio liegt, in der Millionenmetropole. Ein grüner Hügel, nur ein paar hundert Meter vom 24 Stunden am Tag belebten Bahnhof Gotanda .

Auf dem Hügel steht eine Kirche. Der Altarraum ist aus durchscheinendem, typisch japanischen Papier. Eine einzelne kleine Glocke hängt an der Decke der Veranda vor dem Kirchenraum. Sie wird per Hand geläutet, vor dem Gottesdienst. Zur Kreuzkirche kommen jene, die auf Dauer oder auf Zeit in Japan leben und arbeiten. Sie sind Deutsche und meist bei großen Firmen angestellt. Sie sind in der globalisierten Welt zu Hause und suchen trotzdem Vertrautheit in der fremden Kultur. Besonders in der Advents- und Weihnachtszeit.

Seit Jahrzehnten gibt es in der Kreuzkirche deshalb den Adventsbasar. Es gibt Glühwein, Adventskränze werden geflochten, aus Tannen mit roten Kerzen. Vieles muß dafür importiert werden, aber das ist es ihnen wert. Gerade in dieser Zeit im Jahr werden Erinnerungen wach. Da sehnt man sich nach den Orten der Kindheit. Sich noch einmal fühlen wie beim Kekse backen, damals.

Die Tannen riechen wie in Deutschland, und die Schokolade im Adventskalender schmeckt wie immer. Hier oben auf dem Hügel anzukommen, das gibt ihnen ein Gefühl von Heimat. Immer nur unterwegs sein, das geht nämlich nicht. Irgendwo muß auch die Seele mal Kraft schöpfen können, sagte mir eine Frau. Sie lebte bereits mehr als die Hälfte ihres Lebens in Japan.

Die Mitglieder der Kreuzkirchengemeinde in Japan wissen um den Preis, den sie für ein Leben im Ausland zahlen. Deshalb kommen sie immer wieder hierher. Den heiligen Hügel nennen ihn einige. Er bietet ihnen einen Boden, um Wurzeln zu schlagen, in aller Freiheit. So wie Hilde Domin es in “Ziehende Landschaft ” beschreibt:

Man muß weggehen können und doch sein wie ein Baum: als bliebe die Wurzel im Boden, als zöge die Landschaft und wir ständen fest

Das Volk Gottes war ständig auf Wanderschaft. Es hatte gar keine Gelegenheit, sich an Orte zu klammern um heimisch zu werden, also wurde der Glaube zur Heimat. Gerade für Menschen, die sich über Generationen Ortlos fühlten. Jaweh wurde für die zu einem Gott, der mit ihnen auf dem Weg war. Und sie, die im fernen Tokio leben, können daran anknüpfen. Weggegangen aus vertrautem Umfeld finden sie Verwurzelung dort, auf dem heiligen Hügel. Stille, inmitten der pulsierenden Stadt.

Wirklich, man verlege sie Szene einmal in die Innenstadt von Dresden und mache aus diesen Personen gläubige Muslime und lasse sie sich dann in Gedanken noch einmal mit Frau Steens Stimme vorlesen. Kein Problem für den deutschen Politischen Diskurs, gleichzeitig die Gedanken von Frau Steen zu würdigen und dieselbe Haltung bei in Deutschland lebenden Ausländern als gefährlich und Angriff auf das Deutschtum zu werten.

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