The Box ist vordergründig ein Buch über die Erfindung des Containers und die vierzig Jahre des Strukturwandels, die seiner Erfindung und seinem Siegeszug um die Welt folgen.

The Box

Das Buch belegt ausführlich, welchen hohen Anteil die Frachtkosten an einem gefertigten Produkt vor 1956 hatten, und wie stark die Regulierung des Transportwesens, insbesondere in den USA, einen Strukturwandel behindert hat. Stückgut war personalintensiv, langsam in der Verladung und hat lange Aufenthaltszeiten in Häfen und Bahnhöfen erforderlich gemacht - Fracht war nicht nur teuer, sondern auch langsam.

Das Buch ist auch eine Art Wirtschaftsbiographie, die den Unternehmungen Malcom McLeans folgt und beschreibt, wie er auf der Straße, der Schiene und besonders auch auf den Meeren versucht hat, Transport wirtschaftlicher und schneller zu machen und quasi im Vorübergehen den multimodalen Transport erarbeitet und einen tiefgreifenden Strukturwandel ausgelöst hat.

Das Buch blickt dabei auch auf Städte wie New York, und zeigt, wie die Slums und die Krise in verschiedenen Stadtteilen des New York mit dem Siegeszug des Containers in Verbindung stehen: Dadurch, daß im Stadtkern von New York kein Platz für einen Containerfrachthafen war, wurde dieser am anderen Ufer des Hudson gebaut. In Folge gingen den Docks von New York Geschäfte verloren.

Zugleich ist mit multimodalem Transport keine Notwendigkeit mehr für kleine Fertigungsbetriebe gegeben, direkt neben dem Hafen zu sitzen - Betriebe können stattdessen nach New Jersey raus ziehen, wo Raum billig verfügbar ist. Der Innenstadt geht damit eine Menge saubere Kleinindustrie verloren. Das wirtschaftliche Herz der Stadt ist also binnen 15 Jahren faktisch verschwunden und führt zu dem New York der 70er und 80er, das wir aus Filmen kennen.

Generell ändert sich mit der Natur der Häfen auch ihre Kostenstruktur und ihre Kapazität - statt vieler kleiner Häfen bekommen wir pro Kontinent eine Hand voll gigantischer Containerterminals, die praktisch eine ganze Nation versorgen können und dann eine Bahn- und Lastwagen-Infrastruktur, die eine zunehmend längere letzte Meile versorgen. Kleinere Zubringerhäfen runden den Bedarf ab. Eine ganze Menge Nationen und Städte haben sich bei dem Rennen darum, “der Containerhafen der Nation/des Kontinents” zu werden verspekuliert und Milliarden an sinnloser Infrastruktur entwickelt und subventioniert.

Große Containerfrachter und Nachschublinien mit Just-In-Time-Semantik und der dazu passenden Verläßlichkeit sind jedoch ohne Computer-Unterstützung nicht zu betreiben und so beleuchtet das letzte Drittel des Buches die Fortschritte und Innovationen der 80er Jahre und wie sie den Transport weiter verändert haben. Unser heutiges weltweites Transport- und Wirtschaftssystem wäre ohne die Kombination von Containerfrachter und Computer gar nicht zu betreiben, Fabriken in Shenzen ohne Frachtkosten unterhalb der Nachweisgrenze nicht sinnvoll zu betreiben.

Schließlich geht das Buch an vielen Stellen auch auf den Arbeitskampf ein, der die Einführung des Containers begleitet und verlangsamt hat, und der es möglich gemacht hat, daß die Umstellung nur von moderaten Gewalttätigkeiten begleitet war. Gewerkschaften und weniger legale Arbeitnehmerorganisationen haben hier eine zentrale Rolle beim Überleben von Regionen und bei der Umsetzung des Wandels gespielt.

Alles in allem eine faszinierende Kombination von Wirtschaft, Logistik, Politik und Operations Research, spannend erzählt.

The Box, EUR 14.99