Superhelden sind ja immer auch die Verkörperung von Idealen, und wenn sie nur das sind, sind sie stumpfe Abziehbilder und langweilig. Allen voran der langweiligste Superheld von allen mit dem langweiligsten Namen von allen - Superman. In solchen Geschichten, und insbesondere in den Geschichten von Supie sind die Bösen nicht nur deswegen die interessanteren, weil sie die cooleren Kostüme haben, sondern auch, weil sie nicht auf die Verkörperung von Idealen beschränkt sind, sondern richtige Schicksale haben und sich - anders als der Titelheld - weiter entwickeln können.

The Astounding Antagonists

Chandler nimmt dieses Prinzip, und stellt es doppelt auf den Kopf. Er erzählt aus der Perspektive der Villains, und er gibt seinen Helden, den “guten” wie den “bösen”, eine Hintergrundgeschichte und eine Entwicklung, viel Tragik und eine Menge “Joan Osborne - One Of Us” .

Am Ende gewinnen die Repräsentanten der gefährlichsten Konzepte überhaupt, die Verkörperung des menschliche Erfindungsgeist und der menschlichen Sturheit auf der einen Seite, und die Verkörperung von Humor und Mitgefühl auf der anderen Seite. Aber zu dem Zeitpunkt ist es schon gar nicht mehr entscheidbar, und auch nicht mehr wichtig, ob das die Guten oder die Bösen sind.

Gut investierte 4 Euro. Spannend und auf eine erbauliche und zugleich Gebäude erschütternde Weise weihnachtlich. :-)

Rafael Chandler​​​, “The Astounding Antagonists”, EUR 2.99