Cornelia Funke hat mit Tintenherz eine Geschichte geschrieben, in der ein Buchmagier und Vorleser die Gestalten und Gegenstände aus Büchern zum Leben in der realen Welt erwecken kann. Aber Tintenherz denkt die Logik der Magie von Büchern nicht konsequent zu Ende und ist nicht einmal im Ansatz dreckig genug.

Libriomancer

Wenn Tintenherz ein US-Western wäre, dann ist Libriomancer von Jim C. Hines die Italowestern-Version derselben Geschichte. In seiner Welt hat Gutenberg mit dem Buchdruck das Medium geschaffen, daß in den Glauben und Suspend of Disbelief von hunderten und tausenden Lesern greift und so das magietechnische Äquivalent zur industriellen Revolution entfesselt: Statt mit dem Glauben und Willen eines Einzelnen zu arbeiten, kann der Libriomancer das mit der Kraft von Vielen tun.

Im Besitz dieser mächtigen magischen Waffe räumt Gutenberg in der verborgenen Welt des Magischen auf und definiert eine Jahrhunderte andauernde Machtbasis. Bis, tja, bis Isaac Vainio, Buchmagier, und Lena Greenwood, eine gewisse Dryade aus einer Softcore-Romance in die Geschichte geraten und feststellen, daß die von Gutenberg definierten Gewissheiten gewisse Variabilitäten enthalten die das jahrhunderte dauernde Gleichgewicht der Magier in Frage stellen.

Gutenberg verschwindet, aus den Niederdimensionen der Magie selber kommt eine eigenartige Bedrohung und gewisse Zauber und Magietheorien funktionieren nicht ganz so wie Gutenberg sie dokumentiert hat…

Gut angelegtes Geld.

Libriomancer”, Jim C. Hines, EUR 5.60

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