Flames - Kommunikationszusammenbrüche im Netz

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February 11, 2007
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Vergangenen Donnerstag habe ich den Vortrag “Flames - Kommunikationszusammenbrüche im Netz” für den CCC Stuttgart gehalten. Hier sind die Slides und ein Youtube Video von einer späteren Aufführung des Vortrages.

Der Vortrag basiert auf den Kommunikationserfahrungen, die ich mit einigen Freunden im USENET in verschiedenen Foren gemacht habe. Aber ich denke, daß die Erkenntnisse hier auf mehr als eine Weise auch auf andere Umgebungen übertragbar sind.

Was ist eine Flame?

Was ist eine Flame? Ein Beitrag in einer Online-Diskussion, der provozierend geschrieben ist. Oder ein Beitrag, der auf eine Art und Weise ein unwichtiges oder formales Thema behandelt, sodass der Leser sich darüber aufregt und in Zorn gerät.

Warum?

Warum schreiben Leute Flames? Wenn man fragt, bekommt man Antworten von der Art

  • “Das kann man doch so nicht stehen lassen!”
  • “Der soll sich doch erst mal benehmen lernen!”

und als Nummer 1:

  • “Jetzt fühle ich mich besser!”

Dafür ist die Diskussion in Folge gestört und nicht konstruktiv, aber ist dann nicht das Problem des Flamers.

Warum im Netz?

Das passiert in der Regel im Netz und nicht in der realen Welt. Wenn man sich mit Leuten, die für ihr Verhalten im Netz bekannt oder berüchtigt sind unterhält, bei einem Bier abends im Garten, dann sind das meist relativ intelligente und ziemlich nette Leute. Aber halt nur, wenn man denen gegenüber sitzt und nicht, wenn man mit denen über Netz kommuniziert.

Kommunikationsmodell

Wenn man verstehen will, was dort passiert, dann muss man sich ein wenig mit Kommunikationswissenschaft und Umständen beschäftigen. Das Modell von Schulz von Thum und den vier Ebenen der Kommunikation ist dabei hilfreich:

  • Sachinformation: Worüber ich informiere
  • Selbstoffenbarung: Was ich von mir selbst kundgebe
  • Beziehung: Wie wir beide zueinander stehen
  • Appell: Wozu ich Dich veranlassen will.

Jede Kommunikation ist am Ende immer eine Störung. Der Empfänger einer Nachricht sitzt da so und geht friedlich seinen eigenen Sachen nach, aber wenn ich mit diesem Menschen kommuniziere, dann will ich etwas von dem. Ich möchte, daß er seine aktuelle Tätigkeit unterbricht und etwas anderes tut. Das ist dann der Appell in der Nachricht.

Kommunikationsmodell II

  • “Man kann nicht nicht kommunizieren”, Paul Watzlawick, 1969

“Every behaviour is a kind of communication. Because behaviour does not have a counterpart (there is no anti-behaviour), it is not possible not to communicate.”

Kommunikation ist Verhalten und es gibt kein Nicht-Verhalten. Das bedeutet, jede Aktivität, selbst eine Flame, ist eigentlich eine Form von Kommunikation. Die besonderen Umstände der Kommunikation im Netz machen es notwendig, daß man die erlernten Verhaltensmuster aus der realen Welt mal kurzschließt und sein Verhalten umstellt, damit man mit Flames korrekt umgehen kann. Das muss man sich aber bewusst antrainieren. Wenn man da seinen Instinkten und normalen Verhaltensweisen folgt, dann geht es schief, denn die normalen Offline-Verhaltensmuster sind online wirkungslos und deswegen falsch.

Kommunikationsmodell III

Außerhalb des Netzes habe ich ganz viele Kommunikationskanäle. Den gesprochenen Text des Vortrages kann ich aufschreiben, aber das ist nicht dasselbe, denn das ist nicht, was hier passiert. Denn gleichzeitig haben die Anwesenden im Vortrag die Optik, hören die Stimme und Betonung und wie sich der Vortragende sich bewegt und mimt. Inkongruente Kommunikation, Ironie und Sarkasmus, sind leicht zu erkennen und - durch den Rückkanal - wenn sie nicht funktionieren leicht zu korrigieren und korrekt zu kontextualisieren. Jede Aussage in einer Anwesenheitssituation wird so noch einmal mehrfach qualifiziert.

In einer Onlinesituation ist das meiste davon nicht vorhanden. Alles, was noch da ist, ist der Text. Damit fehlen viele soziale Kommunikationshilfen, die der Empfänger gewohnt ist.

Dazu kommt, daß ich über die Grenzen von Zeit und Raum kommuniziere: Meine Kommunikation wird unter Umständen zu einem späteren Zeitpunkt von einer mir unbekannten Person in einem unbekannten Kontext gelesen und interpretiert. Der Kontext wird dadurch sehr viel offener für Interpretation, weil Leser und Schreiber ganz andere Erwartungen haben.

Im Netz kommt noch dazu, daß viele Leute im Netz zwar ein schriftliches Medium benutzen, aber Formulierungen, Ansprache und Kontext wie in einer gesprochenen Kommunikation setzen. Der so entstehende Text hat also alle die persistenten Eigenschaften von einem Buch, einem Artikel oder sonst einem geschriebenen Text: Ich kenne als Autor den Empfänger nicht, ich habe den zeitlichen Versatz darin, ich habe den sozialen Kontext nicht und unter Umständen kenne ich den größeren Kontext des Empfängers nicht. Auf der anderen Seite haben wir aber all die offenen, vieldeutigen Formulierungen und Interpretationsmöglichkeiten des gesprochenen Wortes.

Ein Leser, der mein aufgeschriebenes gesprochenes Wort viele Monate oder Jahre später liest, und dabei ganz anders kontextualisiert, wird das oft ganz anders interpretieren als es gemeint und originär verstanden worden ist.

Foren als soziales System

Dazu kommt natürlich das Aufeinandertreffen von zwei Personengruppen: Wir haben Dauerteilnehmer, die schon lange dabei sind und eine ganze Menge Kontext, Kenntnisse und lokale Subkultur haben. Aber zugleich haben wir auch Laufkundschaft, die in dem Forum mit einem konkreten Ziel oder einer Frage aufschlägt, eine Antwort haben möchte und dann wieder verschwindet.

Die meisten Online-Communities sind auf diese Situation schlecht eingerichtet. Das heißt, Neuankömmlinge werden oft schlecht integriert, weil eventuell gar kein Mechanismus existiert, um Laufkundschaft abzufertigen oder Historie und Subkultur zu lehren. Dadurch sind die Regulars schnell genervt, weil sie sich vorkommen als seien sie die Hauptperson in einem dieser Filme.

Foren als soziales System II

In der realen Welt erwarten wir von Personen, daß sie sich in einer bestimmten Situation dem sozialen Kontext entsprechend verhalten. Es gibt entsprechend in allen diesen Systemen Methoden zur Erzwingung von Konformität. In der realen Welt:

  • Konformes Verhalten wird belohnt.
  • Nicht konformes Verhalten wird bestraft (“Schlag auf’s Maul.")

Foren als soziales System III

Das geht im Netz so nicht.

“The social dynamics of the net are a direct consequence of the fact that nobody has yet developed a Remote Strangulation Protocol” – Larry Wall

Das Zitat erklärt, daß im Netz die negativen Mechanismen zur Erzwingung von Konformität nicht funktionieren. Man kann niemanden remote Erwürgen, ihm nicht remote auf’s Maul hauen, aber auch nicht dauerhaft aus der Diskussion aussperren. Keiner der negativen Steuermechanismen, die wir gewohnt sind, funktioniert.

Man kann Flames als fehlgeleitetes, unwirksames negatives Verhaltensfeedback interpretieren: Weil wir aus der realen Welt gewohnt sind, nicht konformen Personen negatives Feedback zu geben, versuchen wir das auch Online. Da ist es wirkungslos, und daher für die Kommunikation destruktiv, denn es schadet der Diskussion des Flamers und der laufenden Diskussion mit seinen Freunden mehr als der Person, die geflamed wird.

Nur die positiven Instrumente sind wirksam, mit denen wir konformes Verhalten belohnen können.

Kommunikation im Netz

Kommunikation im Netz in Foren ist öffentlich: Es reden nicht nur der Flamer und der Geflamte miteinander, sondern es lesen auch immer noch weitere Personen mit. Die Flame ist also immer auch eine Inszenierung gegenüber den Peers, und gegenüber Dritten (“Innocent Bystanders”) und prägt so Verhaltensnormen und Umgangsformen.

Kommunikation im Netz II

Daraus ergibt sich die Frage für den Umgang mit Trollen und Flames:

  • Was ist effektiv,
    • wenn alle Repressionsmechanismen fehlen?

Was kann ich tun, wenn ich mich ausschließlich auf positive Feedbackmechanismen beim Erziehen von Leuten verlassen muss?

Kommunikationsziel

Wir reden im Grunde über Krieg. Ich möchte eigentlich mit Gewalt - ohne daß ich Gewalt ausüben kann, weil mir die Mittel dazu fehlen - etwas bewirken: Bei meinem Gegenüber eine Verhaltensänderung erzwingen.

Man muss sich also als Erstes überlegen, was das Kriegsziel - hier das Kommunikationsziel - ist, das man erreichen möchte. Eine Siegbedingung festlegen, auf die man hin arbeiten kann.

Eigentlich möchte ich, daß sich diese Leute so verhalten, wie es für dieses Forum angemessen ist. Dafür muss ich das erst einmal definieren. Wenn ich also eine bestimmte Kultur etablieren möchte, dann muss ich die erst einmal definieren und aufschreiben.

Das ist schwierig, wenn man in einer Murmeltiertags-Situation ist und gar keine Kultur hat, weil man sich nicht erinnern kann. Ich brauche also überhaupt erst einmal einen Mechanismus, der Erinnerung institutionalisiert.

Technischer Kontext

Wir haben keine negativen Feedback-Mechanismen. Wir können nicht Strafen, wir haben keine Möglichkeiten, Leute rauszuwerfen, ihre Kommunikation zu unterdrücken oder herauszufiltern. Ich kann zwar filtern, was bei mir hereinkommt, aber ich kann meinen Filter nicht anderen überstülpen, und damit kann ich mit meinem Filer nicht andere für alle herausdrängen.

Weil ich keine Repressionsmechanismen habe, brauche ich auch nicht zu drohen. Jede Drohung ist, weil sie nicht durchsetzbar ist, ein Bluff. Angstbasierte Kommunikation ist damit unglaubwürdig und wirkungslos.

Experiment dclp

Am 1. Januar 2000 wurde die Gruppe “de.comp.lang.php” eingerichtet. Die Gruppe wurde in relativ kurzer Zeit sehr populär.

Dort hat sehr viel Drive-By Kommunikation stattgefunden, die man heute eher auf Stack Exchange finden würde: Leute tauchen auf, stellen eine technische Frage, wollen eine Antwort und sind dann wieder weg.

Dabei wiederholen sich natürlich viele Fragen. Das nervt viele Leute, und sie nehmen sich dann auch nicht die Zeit, korrekte oder gute Antworten zu formulieren. Durch die Wiederholungen wird die Stimmung schlecht, und bald gibt es statt sinnvoller Antworten nur noch Beschimpfungen.

  • Wir wollen ein Erinnerungsvermögen haben!
  • Wir wollen bestimmte Standards etablieren, hinsichtlich Ton und Qualität der Antworten.
  • Neulinge sollen sinnvolle, richtige Antworten und Anleitung in einem freundlichen Ton bekommen.
  • Wir können nur positive Feedbackmechanismen verwenden.

Experiment dclp II

Das ist machbar, denn die Gruppe ist neu. Es gibt noch keine Standards, also kann ich Regeln nach Wunsch etablieren.

Es ist eine technische Gruppe: Es gibt eine objektive Wahrheit, und als technischer Schreiber kann ich den Diskurs bereichern.

Das ist eine gute Ausgangsbasis.

  • Schritt 1: Erinnerungsvermögen herstellen - eine FAQ!
  • Schritt 2: Respekt basierende Kommunikation als Norm durch Vorführen etablieren.
  1. Ich schreibe Antworten.
  2. Die Antworten sind getestet.
  3. Sie beantworten Fragen, die oft gefragt werden.
  4. Das generiert Karma - öffentliches Ansehen. “Kris löst Probleme und gewinnt so Ansehen bei Fragestellern.” “Ich will auch Karma.” “Ich mache Kris Verhalten nach.”

Wenn dann Trolle auftauchen und die deswegen trollen, weil sie Aufmerksamkeit wollen, dann sehen sie: So, mit Beleidigungen, kommen sie nicht weiter, sondern werden ignoriert. In dieser Gruppe bekommen man Aufmerksamkeit und Ansehen, Meinungsführerschaft, durch Mitarbeit.

Experiment dclp III

  • Mittel
    • Website für FAQ
    • Editor, XML, XSLT
    • ca. 1h Zeit pro Tag

Das Projekt ist im Grunde das Ergebnis einer Provokation: In der deutschen Linux-Gruppe hat eine Person mit Technik- und Soziologie-Hintergrund geschrieben, die richtig gute und technisch vollständige Antworten geschrieben hat. Diese waren aber so gestaltet, daß der Leser sich beim Lesen aufgeregt hat und dadurch nicht mehr in der Lage war, die Antwort zu verstehen und sinnvoll zu nutzen. Das waren brillante textliche Werke, die auf eine einzigartige Weise Leute manipuliert haben.

Leider hat das Nachahmer animiert, ebenso zu handeln - ohne zu verstehen, was den Originalautor ausgezeichnet hat und was seine Texte besonders gemacht hat. Dadurch wurde die Gruppe schnell zu einem Sumpf voller Beschimpfungen und die Gruppe wurde nutzlos.

Der betreffende Autor war außerdem der Auffassung, man könne Laufkundschaft anders nicht in den Griff bekommen. Das Experiment dclp war ein Versuch, diesem Menschen das Gegenteil zu beweisen.

Experiment dclp IV

  • Trennung Kultur/Technische Anleitung
  • Dauer: ca. 2 Jahre + 2 Jahre passiv

Die FAQ hat für jede Frage eine URL generiert. Es gab also einen Artikel pro Seite: Antwort, Material, Querverweise, getestetes Beispiel.

Bei der Arbeit mit der FAQ habe ich mir dann grundsätzlich Fragen gesucht, die falsch oder gar nicht beantwortet worden sind. Fragen, die bereits bearbeitet waren, brauchten meine Aufmerksamkeit ja nicht.

Die generierten Antworten von mir sind in der Regel in weniger als 60 Sekunden verfasst gewesen und bestanden aus 3 Teilen:

  1. Bridge: Gleich kommt die Antwort und sie steht mit Deiner Frage folgendermaßen in Verbindung.
  2. Antworten: Die URL auf die Antwort. Nicht die URL auf die FAQ, sondern die URL der spezifischen Antwort. Es geht darum, eine Person mit einem konkreten Problem arbeitsfähig zu machen.
  3. Nachtreten: Das so erworbene Karma verbrauchen. Also, erklären, was richtig oder falsch an der Art der Fragestellung war, und wie man sich hier besser verhalten kann, um bessere Antworten zu bekommen.

Das ist auch eine Inszenierung. Das heißt, ich schreibe jeden Artikel immer auch für unbeteiligte Mitleser. Diese lernen dadurch:

  • Man kann die Probleme von Fragestellern lösen.
  • Man kann die Probleme mit den Fragestellern beeinflussen, also ihr Verhalten verbessern.
  • Man macht das, indem man sich so verhält wie Kris.

Diese Vorgehensweise war auch in der FAQ im Kapitel 0 dokumentiert.

Experiment dclp V

  • Langes Nachklappern
  • Kaum Flames
  • “Bekehrung” einiger Newbies
    • Einige der besten FAQ-Autoren!

Das Nehmen von Fragen und ihre Umwandlung in FAQ-Artikel ist ein Kondensationsprozess, bei dem man die Ergebnisse einer interaktiven Kommunikation vom Kontext befreit, verallgemeinert und in einen Artikel umwandelt. Mehrere Artikel zu einem Thema ergeben ein Kapitel, aber die Artikel sind nicht miteinander verknüpft. Sie stehen nur thematisch und von den URLs nebeneinander.

Ein weitere Kondensationsprozess könnte die Artikel der FAQ nehmen, und in Kapitel eines Buches zum Thema umwandeln. Das hat meines Wissens nur mit comp.lang.c funktioniert: Die FAQ dieser Gruppe ist von Peter van der Linden in das Buch “Deep C Secrets” umgewandelt worden.

Experiment drsrm

In “de.rec.spiele.rpg.misc” ein ähnliches Projekt von Azundris. Kein Hard Science Thema, keine objektive Wahrheit.

Man will also Erinnerung schaffen und Erkenntnisse aus vorherigen Diskussionen aufbewahren. Dabei muss man berücksichtigen, daß es viele Regulars und wenig Laufkundschaft gibt.

Experiment drsrm II

Die FAQ ist also mehr ein Protokoll vergangener Diskussionen und Positionen. Dabei wird das Protokoll, wo machbar, in Wikipedia-Stil verfasst, also “Neutral Point of View” eingenommen.

An den Stellen wo das nicht ging, weil unvereinbar kontroverse Positionen vertreten wurden, sind diese im Stil von Everything2 nebeneinander gestellt worden. Dabei werden die kontroversen Punkte herausgearbeitet, damit auch klar wird, worin der Konflikt besteht.

Experiment drsrm III

Das führt zum Abschluss von Themen: Das Protokoll sichert bereits abgedecktes Terrain bei Diskussionen und spätere Diskussionen können sich an die Ergebnisse früherer Instanz den der Diskussion erinnern. Das macht wiederaufflammen bereits abgearbeiteter Themen schwierig.

Das ist nicht unbedingt günstig für eine Gruppe, die sowieso schon Low Traffic war.

Dennoch gutes Beispiel für nicht-technische Gruppen und was man dort mit einer FAQ erreichen kann.

Experiment dtb

dtb ist Klamauk, Satire, Wirr, eine Spaßgruppe. Ein Testbed für Experimental-Kommunikation beschreibt es recht gut.

Dort haben sich Leute zusammen gefunden mit einer eigenartigen Idee von Humor und gewissen sprachlichen Fertigkeiten. Eine Tradition, die sich relativ schnell herausgebildet hat, sind “Out of Area”-Einsätze. Die Regulars von dtb sind dabei losgegangen und haben ihre Art zu kommunizieren einmal in andere Gruppen transplantiert um zu sehen, was daraus wird.

Ein klassisches Beispiel war “de.alt.ufo”, in dem dtb-Regulars versucht haben, in de.alt.ufo die Verschwörungstheoretiker mit neuen Verschwörungsideen zu übertreffen. Das war eine interessante Erfahrung, weil das komplett fehlgeschlagen ist: Wenn die dtb-Leute in einer Verschwörungstheorie-Gruppe mit einer offensichtlich ausgedachten, verabredeten und unsinnigen Idee auftauchen, dann kommen die de.alt.ufo-Leute, nehmen das und bauen das in ihre Erzählungen einfach ein. Alles wird assimiliert.

Wenn man dasselbe in de.admin.news, der Netzverwaltung macht, dann sitzen dort die ganzen Nomic-Spieler und die sind nicht in der Lage, dtb zu verarbeiten und stürzen ab.

“Wahrheitsfindung ohne Wahrheitsnennung”:

Es ist in dtb gelungen, einen Gruppenkonsens herzustellen, ohne diesen zu verbalisieren. Es begann damit, daß Personen in dtb eintrafen und versucht haben, mit einer Organisation zu reden, also jemanden zu sprechen, der verantwortlich war.

Ähnliches war zuvor in den kiel.* Netzwerkgruppen passiert, wo jemand aus dem Fido-Netz den Netzwerkkoordinator für kiel.* sprechen wollte. Es war einfacher, sich als die betreffende Person zu kennzeichnen als dem Gegenüber zu erklären, daß es solche Strukturen für kiel.* nicht gibt.

So auch in dtb, wo ich Anordnungen erlassen habe und diese mit “Fünfter und Sprecher des Hohen Rathes der 13 Weisen vom Feed” gezeichnet habe. Das ist eine offensichtlich unsinnige Organisation und ich habe mir auch nicht die Führungsposition gegeben und irgendein Neben-Amt, das den Anschein von Autorität vermittelt.

Wirkungsweise und Zweck dieser Anmaßung und der Konstruktion dahinter sind von den Regulars dieser Gruppe sofort verstanden worden, und sie haben es aufgegriffen. Dabei sind ohne weitere Absprache weitere Ämter (aber kein Herrscher) und Positionen (aber keine der ersten Drei) belegt worden. Es ist also eine Nicht-Organisation formiert worden, ohne sich abzusprechen und diese war im wahrsten Wortsinne kopflos: Organisierte, strukturierte Anarchie!

Experiment dtb II

Diese Nicht-Organisation ist dann gegenüber de.news.admin mit Forderungen aufgetreten, und hat so Chaos gestiftet: dtb hat das Usenet als Kommunikationsmedium an seine Grenzen gebracht

“Deutscher Rekordhalter im Fremdcancel”: Alle Artikel, dazu auch alle Crosspostings in dtb, durch Fremdcancel gelöscht. Drei Tage die Gruppe durch den Cancelbot leer gehalten. Das hat auch alle Crosspostings gelöscht. Alle Artikel nach drei Tagen wiederhergestellt, aber mit geändertem Betreff - “ONLY THREAD EVER” - und mit geänderten Referenzen, sodaß ein gigantischer verketteter Megathread entstand.

Dabei sind auch die Crosspostings wiederhergestellt worden, und haben so die anderen, nicht-dtb Gruppen getroffen.

Die Reaktion in de.admin.news war der Antrag, dtb zu löschen, weil die Insassen dort komplett unkontrollierbar seien. Die dtb-Mannschaft und der Hohe Rath haben dem vom Herzen zugestimmt: “Ja, wir waren böse und müssen bestraft werden.”

Daraufhin hat de.admin.news sich gewundert, warum die dtb-Leute das wollen, und die Löschung verhindert.

Summary

  1. Was ist das Kriegsziel, welchen Zustand möchte ich erreichen?
  2. Was ist das Publikum und wie reagieren die?
  3. Was sind die Mittel, die ich habe.

Beispiel: Heise-Forum steuern. Ansatz mit “Carpet-Bombing”: Unter faktenfreie Artikel im Heise-Forum Antworten mit sinnvollem Inhalt setzen, und dadurch in allen Threads, die aus dem Ruder laufen, die Diskussion wieder in sinnvolle Bereiche bringen. Nach 15-20 Minuten meistens Lufthoheit in dem betreffenden Forum erreicht.

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