Wie in AN.ON: Thilo Weichert lädt ein angekündigt war heute die Konferenz zu AN.ON im BMWi in Berlin. AN.ON hat den Java Anon Proxy entwickelt, ein Anonymisierungssystem für HTTP-Zugriffe ähnlich, aber unterschiedlich von tor.

In der Konferenz kam sehr schön heraus, was der Unterschied zwischen JAP und tor ist: Die Unterschiede sind nicht primär technischer Art (die technischen Unterschiede existieren auch, sind aber im Grunde unwesentlich), sondern in den Prozessen über der Technik. Während tor eine rein technische Lösung präsentiert und keine Prozesse und keine Garantien für Benutzer, Betreiber und Bedarfsträger gibt, versucht JAP ein Konzept von “gemanagter Anonymität” zu definieren.

Als Projekt mit der Uni Dresden und dem ULD Schleswig-Holstein als Projektpartner versucht AN.ON einen Überbau zu liefern, der gegenüber allen drei Parteien Vertrauen schafft: JAP operiert mit einer Rechtsgrundlage, die durch die Selbstverpflichtung der Kaskadenbetreiber definiert wird. Gegenüber Nutzern gibt diese Garantien ab, die zum Beispiel verhindern, daß Exit-Traffic gesnifft wird, wie dies einige tor-Nodes tun. Gegenüber Betreibern definiert diese bestimmte Standardverfahren- und prozesse, die die Betreiber mit nutzen können (so hat das ULD zum Beispiel die Betreiber von Kaskaden mit rechtlicher Beratung versehen). Und gegenüber Bedarfsträgern definiert das Projekt eine juristisch starke und so eng als möglich gefaßte Schnittstelle, um so einen rechtlichen Rahmen zu finden, in dem der Betrieb von Anonymisierungsdiensten trotz des Drucks der Bedarfsträger weiter ermöglicht wird.

Durch das Vorhandensein einer solchen Schnittstelle versucht JAP den Verfolgungsdruck abzufedern, der von bestimtmen Behörden gegenüber etwa tor-Nodes in Deutschland aufgebaut werden soll. Gleichzeitig stärkt die Rechtsberatung der Betreiber deren Position.

Mit dem Auslaufen der Förderung steht AN.ON jetzt vor dem Problem, eine finanzielle Basis als Produkt finden zu müssen, und da ist nun erst einmal die Frage nach einem Kassier- und Geschäftsmodell, und dem vorgelagert die Frage nach dem Bedarf und dem Vertrauen. Nachdem so viele andere kommerzielle Anonymisierungsdienste bereits gescheitert sind, sind dies wahrscheinlich die Hauptfragen. Besteht überhaupt ein Marktbedarf nach einem solchen Dienst? Wenn ja, wozu? Und wie kann man so einen Dienst in der heutigen Welt stabil und integer betreiben?

JAP wird jedenfalls gut angenommen: Die Nutzung erfolgt weit über den deutschen oder europäischen Raum hinaus, und die Nutzung geschieht durchaus auch zu produktiven Zwecken, und auch um sich “politisch adäquat artikulieren zu können”, wie burks es formulierte.