Ein Jahr auf der Straße

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October 31, 2006
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Jetzt bin ich genau ein Jahr lang für MySQL auf der Straße gewesen. Eigentlich begann alles schon ein wenig früher, als ich meinen Resturlaub Anfang September 2005 dazu verwendet habe, am MySQL Consulting Bootcamp 2005 in München teilzunehmen und mich dort auch zertifizieren zu lassen. Zwei Monate später, am 1. November, habe ich dann meinen neuen Job angetreten.

Die ersten zwei Wochen habe ich Peter Zaitsev beim c’t DVD-Shop Benchmark begleitet und dabei eine Menge über MySQL Performance Tuning gelernt. Meine erste Reise hat mich nach Stockholm geführt, wo mir Tobias Asplund dann die Grundlagen des Geschäfts gezeigt hat und mein erster Alleinflug ging gleich danach nach Trondheim, wo ich nicht nur Replikation bis zum Abwinken habe spielen können, sondern auch gleich noch gelernt habe, daß Migrationen nach 5.0 nicht immer ganz einfach sein müssen. Den November habe ich in Amsterdam abgeschlossen, wo ich von Kai mit der “Using und Managing MySQL”-Class druckbetankt worden bin, und Kai und ich mit Eric vom (damals) JDBC-Connector-Team durch die Kneipen gezogen sind.

Im Dezember habe ich nicht nur Helsinki im Dunkeln gesehen, sondern auch gelernt, wie man betrunken über 2000 km nach Hause findet: Der 6. Dezember ist in Finnland nämlich Nationalfeiertag und der Kunde und ich waren wahrscheinlich die einzigen Personen in ganz Finnland, die da gearbeitet haben. Auf dem Flughafen haben sich unsere Wege dann getrennt: Ich 2000 km nach Süden, der Kunde noch mal nicht ganz so weit nach Norden… Aber nicht, ohne vorher in der Flughafenbar in Helsinki von einem Finnen Salmiakki erklärt zu bekommen. Den Rest des Dezembers habe ich in Tübingen, in Dublin und in Lund, Schweden zugebracht. Für die ersten zwei Monate keine schlechte Tour.

Nach zwei Wochen Weihnachtspause habe ich dann das Jahr mit einer 4-Länder-an-einem-Tag-Tour begonnen: Treffen mit Kollegen in Zürich, am selben Tag nach Frankreich, um von dort über London nach Dublin zu fliegen. Was für eine Übung in Jet-Set! Aber alles hatte geklappt und so habe ich dann im Januar meinen ersten Shadow in Dublin delivered, d.h. weitere Kollegen angelernt. Im Januar hat auch einer der entschieden cooleren Aufträge angefangen: Eine Oracle-Migration bei einem Kunden in Rom. So kam es, daß ich an meinem Geburtstag in einem Cafe gegenüber dem Nationalmonument gesessen habe und meinen Espresso geschlürft habe.

Um ein Haar wäre es mir in der Woche darauf gelungen, meine Mama unangekündigt an ihrem Geburtstag zu überraschen, denn ich hatte in Hamburg zu tun - zum Glück rief ich dann doch noch an, sonst hätte ich vor einer leeren Hütte gestanden.

Der Februar ging sehr schnell vorbei: Rom, Zürich, Rom.

Nach einer kurzen Bürowoche dann Anfang März ein Einsatz für Training statt Consulting: Kurs halten in Washington, DC - Yay! Die Woche drauf war ich in Belgien und habe außerdem noch ein wenig Remote gearbeitet. Dann Mitte März die MySQL Developers Conference in Sorrento mit Abschlußausflug nach Pompeii. Süditalien, wenn es noch nicht so heiß ist - wunderbar! Die beiden Wochen danach waren ein wenig ruhiger: Ein wenig Remote Work tut nach dieser Reiserei ganz gut.

Anfang April war ich dann noch kurz in London auf Canary Wharf, bevor es zwei Wochen in den Urlaub nach Schottland ging, um Destillen, Gärten und Hightech zu bewundern und die Highlands zu erkunden. Auf dem Weg haben wir dann auch noch Newcastle und York ein bisschen gesehen. Nach dem Urlaub kommt die Arbeit - in meinem Fall die MySQL Users Conference 2006 in Santa Clara.

Gut daß ich nach der Rückkehr Anfang Mai relativ ruhig daheim bleiben konnte: Jobs in Stuttgart, in Heidelberg und Remote Work für einen Kunden in den USA. Eine mehrtägige Schulung über SkypeOut und screen -x halten. Das geht! Der Mai war sowieso Monat der Kontraste - wie klingt “Olpe, Rahden, Washington DC”? Washington war jetzt, Ende Mai, übrigens glühend heiß. Wieder eine Schulung, was gut ist, weil man sich da die Zeit gut einteilen kann. Ich habe sie benutzt, um das Air and Space Museum zu besichtigen.

Den Juni habe ich dann in Stuttgart, Dresden, Zürich und Genf zugebracht. Dabei habe ich in Genf einen uralten Freund wiederentdeckt: Alexander Finger betrieb vor nicht ganz 20 Jahren syd.de, während ich als Teil von toppoint.de dasselbe in Kiel tat. Inzwischen hat es ihn nach Genf verschlagen. Ende Juni dann der erste Zweitages-Workshop Performancetuning in München und zwischendurch über das Mittsommer-Wochenende noch mal schnell in Skien, hinter Oslo, denn dort war PHP Vikinger bei EZ Systems. Nach der Rückkehr, quasi aus dem Flieger fallend, dann ein Talk für die Linux Users Group Karlsruhe über Performance Tuning und der Juni ist im Kasten.

Eher häuslich geht es im Juli weiter: PT in München, PT in Stuttgart und eine 1800 km Autotour: Karlsruhe-Rahden-Dresden-Karlsruhe in einer Woche. München, Stuttgart, Olpe. Und ich sagte noch: “Schickt mich aus Deutschland weg während der WM.” Stattdessen kriege ich glühend heiße, überfüllte WM-Städte während da Spiele sind… grummel

Der August beginnt mit Abkühlung, und mit Amsterdam. Ich werde so halb krank, und so kann ich mir die für die 2. Augustwoche geplante Kiel/Dänemark-Tour abschminken. Stattdessen bin ich die Woche drauf in Oslo, in Bath, und dann mal wieder in Helsinki, um ein wenig von den Clustergöttern zu lernen.

Das kann ich dann Anfang September zurückgeben, wo ich stattdessen Shadow für einen Kollegen in Woking mache und dann zwei Tage PT Workshop in Köln gebe. In Köln treffe ich auch Serendipity’s Garvin . Die Office-Woche darauf bringe ich in Kiel zu, um meine Eltern zu besuchen. Die Woche darauf bin ich dann prompt richtig antibiotikamäßig krank statt in Amsterdam. Danach bin ich Ende September dann aber immerhin so fit, daß ich das Projekt in Rom abschließen kann, und die zwei verbleibenden Tage der Woche nutze, um mit der Katze Rom zu erkunden.

Der Oktober ist dann schnell herumgebracht: zur Hälfte in Amsterdam, zur anderen Hälfte in Karlsruhe… Und so werde ich dieses Jahr auch beschließen: Neben einer Woche in Sheffield, UK steht bis zum Jahresende mehr oder weniger lückenlos Amsterdam auf dem Plan (Und ein Tag Köln!).

Gefällt mir der Job? Oh, ja. Reisen macht mir Spaß und mit den Zielen habe ich Glück gehabt. Die Arbeit macht Spaß und bietet jede Menge Dinge, die ich noch nicht kann, aber die ich schaffen kann. Auf der Straße und dicht an der Technik scheint mir eher zu liegen als Papierschieberei… Ansonsten ist es das älteste Gewerbe der Welt: Geh für Geld zum Kunden und mach' ihn glücklich.

Ist der Job anstrengend? Oh, ja. Es ist der anstrengendste Job, den ich jemals hatte. Aber, wenn man einen Rhythmus finden kann, bei dem man in passenden Abständen Home-Office machen kann, ist er durchhaltbar…

Was haben wir als Firma geschafft? MySQL ist in diesem Jahr von 5.0.15 nach 5.0.27 gekommen und die 5.0 hat sich dabei langsam aber sicher in eine stabile Plattform verwandelt. Meine Kunden haben im Laufe des Jahres die Features von 5.0 entdeckt und so erobert sich MySQL immer mehr Anwendungen, die der Datenbank vorher verschlossen geblieben sind.

Meine Hauptthemen im Bereich Operating waren “Monitoring” und “Backup”, im Bereich DBA sind “Replikation” und “SQL-Optimierung”, im Bereich Entwicklung “InnoDB und Transaktionen”. Seltsamerweise sind Stored Procedures und Trigger ein wichtiger Checkpoint, um ernst genommen zu werden, aber sie werden dann (glücklicherweise!) kaum eingesetzt - denn das Thema im Bereich Architektur war “Scale-Out” - horizontales Wachstum . Intern war das wichtigste Thema für uns Consultants “Wachstum und Integration von neuen Mitarbeitern” und ist nun “Best Practice Building”. Langsam, aber sicher ändert sich die Art der Arbeit von Pivot-Consulting to Projekt-Consulting…

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