Occupy. Die Piraten beschließen, sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen auseinander zu setzen. Ich lese Andreas Eschbach “Eine Billion Dollar” neu, und es liest sich nicht wie ein Roman, sondern wie eine Art Jahresrückblick. Finanzkrise. The Origin of Wealth. Sugarscape. Beide erzählen dieselbe Story, die Eschbach da bringt. Plutonomie. Neusprech. Technische Regierungen.

Mein Browser hat mehr als 25 Tabs zu diesen Themen offen, und sie zeigen alle in dieselbe Richtung - wir müssen wichtige Dinge des Lebens neu denken, oder die Welt verändert sich ohne uns und läßt uns zurück.

Wo fange ich an. Vielleicht mit den TED Talks von Nic Marks und Richard Wilkinson. Das kostet Euch eine halbe Stunde Eures Lebens. Ich verspreche, sie ist gut angelegt.

Nic Marks: The Happy Planet Index erklärt eben diesen: Eine Alternative zum Bruttoinlandsprodukt, die persönliches Glück in Relation zu den eingesetzten Ressourcen setzt.

Richard Wilkinson: How economic inequality harms societies zeigt, quasi im Anschluß, wie Gemeinschaften mit geringerer Ungleichheit (Gini coefficient, Gini coefficient nach Ländern) besser funktionieren, nach einer ganzen Reihe von Metriken.

Wir können beobachten, daß diese soziale Ungleichheit über die Jahrzehnte in Deutschland, den USA und vielen anderen Staaten größer wird, daß der Gini Koeffizient wächst. Ein Alternet Special über Occupy Wallstreet zeigt die Auswirkungen auf vielerlei Weise, und Business Insider hat vergleichbare Daten, Singularity Hub auch. Und das gilt nicht nur für die USA, sondern eben auch für Deutschland.

Es gibt Leute, die halten die dabei ablaufenden Mechanismen für ein Zeichen ihrer Befähigung oder als Indikator für ihr Ausgewähltsein: Schon 2009 fanden die Plutonomy-Reports der Citigroup ihren Weg an die Öffentlichkeit:

“Michael Moore highlights a confidential report that Citigroup initially circulated only to it’s wealthiest customers. Those reports, since leaked, plainly discuss the power of the Plutonomy in America, and how it would only strengthen, as long as the “the rest us” (the non-plutonics) could be kept in the dark about the Plutonomy existence, its role, and its over-arching control in the American Economy.”

Dem ist nicht so: Die Mechanismen, die dabei am Werk sind, werden in Andreas Eschbachs Eine Billion Dollar auf eine ganz wunderbare Weise erzählerisch verpackt und haben nichts mit Auserwähltheit zu tun. Eschbach diskutiert auch verschiedene Mögliche Reaktionen und erläutert ihre Funktionsweise. Eschbach hebt besonders auf die Notwendigkeit einer Tobin-Tax (allgemeiner eine Finanztransaktionssteuer) ab, die überaus geeignet ist, die derzeit amoklaufenden Finanzmärkte sinnvoll zu steuern.

Zwei andere, dringend empfehlenswerte Bücher, die Hintergründe und Mechanismen ohne Story, aber nicht minder spannend vermitteln, habe ich in Fertig gelesen: The Origin of Wealth rezensiert: The Origin of Wealth und Sugarscape: Growing Artificial Societies.

Insbesondere Sugarscape zeigt, daß dieses Phänomen der unkontrollierten Anhäufung von Reichtum sich mit allereinfachsten zellularen Automaten reproduzieren läßt, wenn bestimmte Regelsätze in Kraft sind. Ebenso wird gezeigt, daß wirtschaftlicher Erfolg (und am Ende maximal ungleiche Ressourcenanhäufung) eben nicht von persönlichem Einsatz oder persönlicher Begabung abhängt, sondern sehr wesentlich vom Zufall bestimmt wird.

The Origin Of Wealth ist eine Tour durch die Geschichte der Volkswirtschaft, und wie deren Modelle sich nach und nach als unzureichend erwiesen haben und sukzessive neue Ideen eingearbeitet haben. Das Buch macht außerdem im 3. Teil eine sehr klare Aussage: Ungleichheit und ihre Entwicklung sind eben kein Automatismus, und keine Notwendigkeit für das Funktionieren eines Systems, sondern sie sind eine Wahl, die eine Gesellschaft treffen kann.

Griechenland und Italien haben stattdessen eine andere Wahl getroffen: In beiden Ländern ist im Grunde genommen eine politische Regierung durch eine finanzielle Verwaltungsregierung ersetzt worden: Die Niemandsregierung ist die Kapitulation der Politik vor den Banken und die Abgabe der Souveränität des Volkes an die Firmen. Der Spiegelfechter bringt es noch mehr auf den Punkt:

Die eigentliche Gefahr dieser Krise ist, dass eine Lösung oder Versuche dazu nicht mehr in rechtsstaatlicher Weise erfolgen. Wenn man heute auf Staatsbankrott spekulieren kann, dann hört der Spass auf. Und die Beschleunigung der Entscheidungsprozesse, die sich die Regierenden diktieren lassen, ist beunruhigend. Das Bundesverfassungsgericht wird in nächster Zeit in besonderer Weise gefordert sein, aber es fragt sich, ob die Rolle eines passiven Kontrolleurs genügt. Es müsste auch einstweilige Anordnungen erwägen, um verfassungskonforme Zustände zu sichern.

Die internationalen Finanzmärkte bedrohen inzwischen die Souveränität der Völker, und so kann sich die Finanzkrise kann sich zu einer Systemkrise ausweiten, in der wir Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wieder verteidigen müssen.

Eine Grafik, die ich sehr spannend finde, stammt aus dem
Business Insider Artikel:

Zu dieser Grafik gibt es eine Schwestergrafik bei Alternet:

Die Produktivität der Menschen, die Arbeit haben, steigt an, aber sie verdienen dafür nicht mehr. Stattdessen steigen die Gewinne der Unternehmen und damit der Reichtum der Leute, die Anteile daran haben. Wir finden Artikel, die das erklären: Die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf die menschliche Arbeit bei Netzwertig mit Blick auf die (natürlich) IT-Branche, und dort auch schon ein Zeiger auf das Bedingungslose Grundeinkommen, und wieso es in die Diskussion kommt.

Worum geht es? Um ein neues Weltbild als Grundlage von Politik und Wirtschaft

Ich hoffe, dass es der neuen globalen [Occupy] Bewegung gelingt, für etwas einzutreten, nämlich für ein neues Weltbild als Grundlage unseres politischen, wirtschaftlichen und sonstigen Handelns:

  • für ein Weltbild, in dem die Güter der Erde für alle reichen
  • für ein wahrhaft ökologisches Weltbild, in dem Lebewesen und Dinge nicht isoliert voneinander existieren, sondern alles mit allem zusammenhängt
  • für ein Weltbild, in dem klar ist, dass ich das, was ich dem anderen zufüge, mir selbst zufüge
  • für ein Weltbild, in dem die Würde aller Lebewesen als gegeben gilt
  • für ein Weltbild, in dem Wachstum vorallem als geistiges Wachstum gesehen wird

Vor diesem Hintergrund in Wirtschaft und Politik hat die Piratenpartei letztes Wochenende auf ihrem Parteitag beschlossen, sich als Partei mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen auseinander zu setzen - unsere Industrie- und Wirtschaft sind leistungsfähig genug für eine 20/80-Gesellschaft (“20% der arbeitsfähigen Gesellschaft reichen aus, um den übrigen 80% und sich selbst eine sehr hohe Lebensqualität zu bieten”). Wir werden nie wieder Vollbeschäftigung haben. Wir müssen endlich das gesellschaftliche Problem des industriellen Strukturwandels angehen anstatt es weiter wie seit den 1980er Jahren vor uns her zu schieben - was Alexx sagt.

Denn wir werden eine Gesellschaft bekommen, bei der in erster Linie Maschinen arbeiten, und wir müssen Wege finden, als Menschen dort unseren Platz zu finden, weil eben die meisten von uns ‘arbeitslos’ nach heutiger Definition sein werden. Was immer das dann bedeuten soll, eines Tages. Wir müssen uns weiter entwickeln, was Mela sagt.

Dabei wird es eine Reihe von Neid- oder sagen wir, Fairness-Diskussionen geben, wie man hier nachlesen kann. Diese Mechanismen stecken alle in uns drin. Sie sind nur nicht unbedingt hilfreich, wenn man eine “Star Trek Gesellschaft” hat, in der tatsächlich Arbeit und Einkommen zu einem Teil entkoppelt sind. Auch da müssen wir Arbeit leisten, und was mspr0 sagt.

Was genau hat die PP da in Offenbach beschlossen? Was reizzentrum sagt.

Wie also soll die Gesellschaft für das 21. und die folgenden Jahrhunderte aussehen? Oder wollen wir das den Firmen und den Banken überlassen? Die Zukunft ist da. Es ist die Aufgabe unserer Generation, sie gleichmäßiger zu verteilen.

In diesem Sinne: DirektRossi