Es begannt mit einem Google Plus Artikel zum Thema EA und Origin. Origin ist ein Pflichtbestandteil von neueren Spielen von Electronic Arts, und geht über einen normalen Kopierschutz insofern hinaus, als daß es anfängt, die Platte des Kunden zu durchsuchen und unbekannte Mengen Daten aufzusammeln und an EA zu schicken.

Mein Post spießte die Tatsache auf, daß sich unsere Politik an Facebook hochzieht, inkonsequenterweise aber solche Dinge wie Origin ignoriert. Selbst dann, wenn sie wie in FIFA 12 auf die Rechner von 12 Jahre alten Kindern angewendet werden - wäre dies keine Firma, sondern eine natürliche Person, hätten wir hier einen Cyberstalking-Prozeß am Laufen.

Jemand machte dann den Default-Spackeria-Seitenhieb: “Ach, Origin ist nicht Post-Privacy-konform?”

Nein, ist es in der Tat nicht.

Die Spackeria sagt zwei Sachen, soweit man überhaupt sagen kann, daß sie eine einheitliche Sicht auf die Dinge vertritt.

Die Erste ist, daß wir durch die Art und Weise der Technikentwicklung immer mehr von uns Preis geben. Dadurch, und durch die Verknüpfung der Daten miteinander erzählen wir immer mehr über uns. In der Tat kann jeder Einzelne von uns da wenig gegen machen, insbesondere nicht durch den 80er-Jahre-Datenschutz mit ‘informiertem Einverständnis zur Datennutzung’, also dem wirkungs- und nutzlosen Extra-Einverständnishäkchen.

Die Zweite ist, daß das nicht oder zumindest weniger schlimm ist, solange Transparenz auf Gegenseitigkeit geschaffen wird. Das heißt, daß Origin weniger Scheiße wäre, würde EA dokumentieren und durch Dritte verifizieren lassen, was da genau technisch gemacht wird, wie die Daten übertragen werden und auf welche Weise sie von EA genutzt werden.

“Post-Privacy konform” wäre es, auf die Offenlegung der einen Seite mit einer adäquaten Offenlegung auf der anderen Seite zu reagieren, adäquat auch in dem Sinne, daß man offensichtliche Machtunterschiede berücksichtigt, um auszugleichen. Offenheit ist auf eine Weise eine Abrüstung und eine Deeskalation: Hier bin ich, das ist alles was ich bin, ich verstecke nichts (was für unsere gegenseitige Beziehung zueinander relevant wäre).

Vertrauen entsteht, wenn beide Seiten das tun. Und am Ende geht es genau darum.

Das Internet bringt uns alle einander näher. Auch die, die einander nicht kennen, fremd sind, ihre eigenen Interessen beschützen wollen angesichts des Fremden. Diese ganzen Ausforschungs- und Datenprofilierungsversuche sind am Ende nichts anderes als der Versuch von Personen, Institutionen oder gar Nationen, sich selber die Angst vor ‘den Anderen’ zu nehmen. Die motivierende Idee ist, durch Sammlung von Daten über früheres Verhalten und die Annahme von Stetigkeit zukünftiges Verhalten von ansonsten unbekannten, entfernten und nicht greifbaren Handelnden aus anderen Kulturkreisen Vorhersagen über zukünftige Handlungen treffen zu können und so Risiken gleich welcher Art besser einschätzen zu können.

Vertrauen als Grundlage einer Beziehung und des darauf erwachsenden Handelns kann aber nur entstehen, wenn dies auf eine adäquate Weise auf Gegenseitigkeit passiert.

Und das ist genau das, was den ganzen Post-Privacy-Spöttern (“Ach, auf einmal doch keine Offenlegung”) nicht klar ist. Oder für einen billigen Witz ignoriert wird.