Die Süddeutsche hat einen määndernden Artikel, der auf Seite 2 dann doch noch irgendwie zum Punkt kommt und Rick Falkvinge verlinkt und daraus ableitet:

Jetzt, da sie erstmals in einem deutschen Parlament sitzen, scheinen sie genau das vergessen zu haben. Sie sprechen über fahrscheinlosen Nahverkehr, aber nicht über das Urheberrecht. Das ist erstaunlich, weil eine Pauschalabgabe fürs S-Bahnfahren genau auf dem urheberrechtlichen Modell basiert, das Juristen unter dem Begriff “Kulturflatrate” für die Netznutzung beschreiben.

Nun ist zum Einen ein Stadt- oder Landesparlament nicht der richtige Ort, um über Änderungen am Urheberrecht zu diskutieren - selbst auf Bundesebene sind Änderungen hier nur begrenzt möglich, und insofern läuft die SZ hier komplett an den politischen Realitäten und Zuständigkeiten vorbei.

Und zum anderen ist die Situation weitaus komplizierter, und das eigentliche Problem nicht durch Arbeit am Urheberrecht alleine zu packen. Entsprechend kann eine Lösung auch nicht von einer Partei alleine kommen - schon gar nicht von der Piratenpartei alleine.

Sehr schön erkennt man dies an der Frage, die Lena Falkenhagen auf Google Plus gestellt hat:

Wäre gespannt, wie die Piraten beim Wegfall des Urheberrechtes das kreative Schaffen entlohnen wollen. Ansonsten bin ich mittellos.

Christian Buggedei hatte mich auf diese Diskussion aufmerksam gemacht und ich habe den Artikel auf Google Plus weiter geshared, um noch ein paar relevante Personen mehr darauf aufmerksam zu machen, und so hat sich mit 81 Kommentaren dort auch ein sehr spannender Diskussionsfaden entwickelt. Er selbst verweist auf meinen Artikel Falscher Planet, falsches Jahrtausend, und zitiert

Das Wesen aller IT ist die Kopie. [..]

Hier ist die Wahl. Sie ist die einzige Wahl. Sie ist digital, wie das Medium, das die Wahl erzwingt:

  1. Kopieren hinnehmen.
  2. jede > Kommunikation von Jedermann mit jedem anderen immer auf ihre Legalität hin untersuchen und filtern.

Wenn Fall 2 nicht stattfindet, bildet sich sofort ein Overlay-Netzwerk und Fall 1 tritt ein.

Er äußert sich weiter und schreibt:

Ich kenne keinen in der Piratenpartei der Inhaltsschaffenden - seien es Musiker, Autoren, Maler, Fotografen, Komponisten oder sonstwem etwas anderes als Respekt und den Wunsch, dass sie ein Einkommen haben entgegenbringt. Nicht umsonst zeigen immer wieder Studien, dass gerade die “Powerdownloader” in der Regel überdurchschnittlich viel Geld für Medien jedweder Art ausgeben. Aber wir von der Piratenpartei sehen eben auch, dass zur Durchsetzung der Verwertungsrechte wie sie derzeit aussehen, man den von Kristian geschilderten Fall 2 zwingend implementieren muss - und das ist etwas, was wir aus bürgerrechtlicher Sicht schlicht nicht hinnehmen können.

Ich führe das in meinem eigenen Kommentar dort in eine andere Richtung noch etwas weiter aus (redaktionell überarbeitet):

Da ist zunächst die von Christian Buggedei zitierte Beobachtung in meinem Artikel - das ist noch keine Forderung, sondern nur eine Feststellung. Ich glaube tatsächlich nicht, daß wir alle da viel Wahl haben: Die Umstände des Schreibens ändern sich und damit das Biotop, in dem Werkschaffende tätig sind.

Da ist einmal die Leichtigkeit, mit der Kopien von irgendwas gemacht werden können - Bücher, Musik, Filme und auch alles mögliche andere, was auf einem Mal digital und nichtstofflich existiert und vorher dinglich war.

Dann ist da aber auch die Verminderung des Aufwandes und die Verkürzung der Publishing Pipeline: Jeder, der schreiben will, kann nun schreiben. Ob er gelesen wird ist noch einmal eine andere Sache - aber es gibt nichts und niemanden mehr, das jemandem vom Schreiben abhalten kann. Und so gibt es neben den Werken, die Du und Deinesgleichen für Geld produzieren nun haufenweise anderes Zeugs - frei erhältlich an Orten wie Wattpad oder einer der Tausend anderen Story Communities im Web. Gegen diese Leute und deren Preise treten Autoren für Geld nun an.

Dann ist da das Zwischenfeld, das nun entsteht - zwischen Wattpad und traditionellen Verlagen. Da ist zum Beispiel Kindle Direct Publishing, und zu den typischen Kindle-Only Preisen von $0.99, $1.99 oder $3.99 bekommt man eine Menge Zeugs, von dem nicht mal die Hälfte schlecht ist. Out of the Black zum Beispiel waren gut angelegte drei Dollar für eine Art World-of-Darkness Story, und The Rho Agenda: The Second Ship und Immune war feine Scifi Jugendliteratur, zwei Bücher für ca. vier Dollar.

Ob mit oder ohne Urheberrecht - das alleine ist genug, um die Luft aus den meisten derzeit existierenden Verlagen und den daran hängenden Autorenkarrieren zu lassen.

Anders herum kann ich natürlich den Kopierschutz von einer AZW- oder sonstigen eBook-Datei entfernen. Ich habe auch noch nie eine Firma gesehen, in der nicht ein nicht weiter kartierter Server existiert hätte, der erstaunlich viel Plattenplatz gehabt hat und dessen Platten immer voll waren, obwohl nichts davon älter als 4 Wochen war. Oder eine Webpage mit einer langen Liste von Subsonic-Links oder eine andere Webpage mit einer Prozedur, wie man sich an die gemeinsamen Dropboxen der Kollegen dranklemmt.

Auch das hat mit Urheberrecht als Gesetz nichts zu tun, abgesehen davon, daß es offiziell verboten ist und dieses Fakt dennoch nirgendwo irgendjemanden auch nur am Rande interessiert.

Dennoch bin ich fleißig dabei, Geld in Richtung von Autoren oder Musikern zu pumpen, denen es gelungen ist, mich zu begeistern. Idealerweise gibt es einen Weg, mit dem ich dabei möglichst wenig Reibungsverluste habe und möglichst wenig Zwischen-Instanzen mit finanzieren muß. Also kaufe ich Musik bei CDBaby und Bücher via KDP (siehe oben) und habe natürlich auch Iron Sky War Bonds gekauft.

Früher habe ich auch gerne CDs gekauft - im Quartal sind dabei etwa 400-500 Deutschmark Einkommen disponiert worden: Ich habe meine Musik halt gerne unkomprimiert und in physischer Form, damit ich sie neu digitalisieren kann, wenn mir danach ist. Aber ich habe gelernt, daß ich damit nicht Musiker fördere, sondern nur koksende Sony-Spacken, die mir zum Dank für meine Investition wie in Sonys Digitaler Hausfriedensbruch geschildert ein Rootkit auf meine Karre installieren, gleich neben den Staatstrojaner.

Früher habe ich auch gerne Bücher gekauft. Aber dort kommen von den 7.99 EUR eines Bastei-Lübbe oder Heyne-Buches nur Bruchteile dem Autor, den ich gut finde, zugute. Also habe ich bei einem Umzug von den 2500 Büchern Scifi und Fantasy nur ein Billy voll behalten und kaufe nicht mehr beim Schund-Spezialisten aus dem Neuerscheinungsregal einen Arm voll Scifi/Fantasy im Monat. Stattdessen geht das Geld andere Wege - aber es ist nicht weniger, deucht mich: Anonyme Amazoniker zeigt das recht deutlich.

Um das Urheber-Recht würde ich mich dabei an Deiner Stelle wenig Sorgen. Es ist das Kleinste Deiner Probleme, wenn Du mit dem Schreiben Geld verdienen willst.

Noch einmal, weil es wichtig ist:

Um das Urheber-Recht würde ich mich dabei an Deiner Stelle wenig Sorgen. Es ist das Kleinste Deiner Probleme, wenn Du mit dem Schreiben Geld verdienen willst.

Ich will damit sagen, daß wir es hier mit einem strukturellen Wandel in der Kommunikation und dem Verhältnis zwischen Werkschaffenden und Konsumenten zu tun haben, bei dem die Analyse “Urheberrecht - ansonsten bin ich mittellos” die realen Umstände vollständig verkennt oder gar verleugnet und in jedem Fall viel zu kurz greift.

“Mittellos” ist eine Autorin nicht wegen des Rechtes, sondern wegen der Leichtigkeit, mit der jeder kreieren, publizieren, kuratieren und kommunizieren kann. Die Autorin tritt nicht mehr gegen die Texte anderer professioneller Autorin an, sondern gegen jeden, der etwas veröffentlichen möchte und insbesondere gegen Personen, deren Lebensunterhalt nicht an den Verkauf von Veröffentlichtungen gekoppelt ist, und die ihre Werke daher ohne weiteres kostenfrei publizieren können.

In einem weiteren Kommentar habe ich dazu Beispiele gebracht:

Kostenloskultur: Autoren von Lehrmaterial treten gegen Sal Khan an, der auf Youtube unglaubliche Mengen unglaublich guter Lehrvideos zu den wildesten Themen einstellt - und diesen Autoren vielfach die Geschäftsgrundlage entzieht.

Poltik, Polemik und eine Agenda: Ich hatte eine spannende Unterhaltung mit der Katze und Dirk Remmecke über Anime und Anime Fansubs - gute Fansubs machen Anime-Vertrieben zu schaffen. Ein Problem dabei: Die Geschwindigkeit von Aktionen wie Harry Auf Deutsch und die Qualität von Aktionen wie dem Pretty Guardian Sailor Moon Live Action sind von kommerziellen Anbietern kaum zu schlagen - diese sind Begrenzungen durch Budget und Staffing ausgesetzt und sie treten bei populären Sachen gegen Armeen von Enthusiasten an, die kein Leben haben oder bereit sind, den größeren Teil ihrer Freizeit Wikipedia-Style in einen Crowdsourcing-Ansatz zu investieren.

Online Feedback Publishing System: O’Reilly stellt neue Bücher im Volltext zum Review auf OFPS (Online Feedback Publishing System) bereit, um Anmerkungen von interessierten Lesern zu Crowdsourcen und so die technische und inhaltliche Qualität des Werkes zu verbessern - Leser bekommen so aber auch (legal) den elektronischen Volltext aller möglichen Neuerscheinungen zu fassen.

O’Reilly Registration Page: Anders herum: Bei O’Reilly kann man sein gedrucktes Buch auch registrieren und bekommt dann die elektronischen Fassungen kostenlos dazu, bzw kann das Werk auch auf neue Releases upgraden.

Das sind alles Signale, die anzeigen, wie sich der Markt um Werke verändert - mit einem Werk für Geld tritt man immer auch gegen ein vergleichbares Werk für Liebe und Spaß an. Autoren und Verlage experimentieren derzeit wie wild, um herauszufinden, wie sie sich in so einem Umfeld ausreichend differenzieren können, um Leser zum Zahlen zu motivieren.

Kopierschutz ist es nicht, das wissen wir schon (weil es heute Thema in einer anderen Diskussion war, hier ein Satz Links zu einem einzelnen Hersteller: Audible DRM, Audible DRM, Audible DRM).

Rechtsverschärfung ist es auch nicht - das meiste Getausche geht dark und nicht im offenen Netz ab, und offen gesagt interessiert die Rechtslage im nichtkommerziellen Umgang (“Privatkopie” - wobei da schnell mal Terabytes fließen) mit dem Urheberrecht faktisch seit Napster niemanden mehr. Ob man das jetzt noch im geschriebenen Recht anpaßt oder nicht ist mehr eine Formalität.

Nebenan bei der #Spackeria verwendete acid übrigens dasselbe Zitat von mir wie Christian Buggedei oben, in einem ähnlichen und doch ganz anderen Kontext: Herausforderungen der Informationsfreiheit.

Und schließlich: Ich habe ja auch mal für Geld geschrieben, wenn auch nie hauptberuflich: Artikel von KristianKöhntopp. Aber inzwischen ist es so, daß ich persönlich meine Artikel lieber kostenlos ins Blog stelle als etwa einem Verlag zu verkaufen: Warum alle meine Texte frei im Netz zu lesen sind.

Der Return für mich ist besser, wen der Artikel dauernd frei im Netz steht als wenn mir ein Verlag was dafür bezahlt, UND ich habe keinen Nerv mit dem Vertragstanz mehr: Selbst Heise, als Verlag für Fachautoren echt superfreundlich, umgänglich und technisch kompetent, hat inzwischen Total Buyout Verträge und es war ein Riesenproblem, meine Sechs-Monats-Regel in eine iX-Autorenvereinbarung rein zu bekommen. Am Ende ist es für mich als Nebenerwerbs-Schreiber von technischen Artikeln den Nerv schlicht nicht wert - da gebe ich das Zeugs eben so weg.

“Mittellos” ist auch eine Lektorin und Redakteurin, weil sich die Publishing Pipeline für die meisten Publizierenden so stark verkürzt hat, daß für diese Rollen darin kein Platz und somit auch kein Einkommen mehr vorhanden ist.

Man erkennt, daß das Urheberrecht hier thematisch keine Rolle spielt, außer vielleicht als Instrument, die Transaktionskosten einer Veröffentlichung so weit zu erhöhen, daß ‘kostenlos’ keine Option mehr ist. Das ist aber aus einer Reihe von anderen Gründen keine volkswirtschaftlich oder politisch wünschenswerte Option.

Zum Urheberrecht gibt es in der Piratenpartei selbst übrigens Personen, die in einer ähnlichen Situation sind, wie Lena: Mela Eckenfels zum Beispiel schreibt und ist eine engagierte Piratin. Ich habe in einem weiteren Kommentar einmal ihre Position aus ihrem Blog zusammen recherchiert:

Und dann muß ich in diesem Thread extra noch mal Mela Eckenfels erwähnen. Sie ist eine Piratin aus Karlsruhe, außerdem eine Autorin und von ihr hören wir inhaltlich die gleiche Klage wie von Lena.

Ich habe in den Kommentaren oben schon klar gemacht, daß ich das für fehlgeleitet habe - das Problem ist nicht das Urheberrecht und wenn jemand Probleme hat, vom Schreiben zu leben, dann liegt das meiner Meinung nach mit Sicherheit nicht am Urheberrecht, sondern eher an den anderen, sich rapide verändernden Umständen, die ich oben aufgezählt habe.

Das Geschenk der Piratenpartei an die Verwerter, Long Tail, Butter bei die Fische…, Wie Kulturschaffende Geld verdienen, Piratenschwarz.

Wobei insbesondere der Artikel Wie Kulturschaffende Geld verdienen im Grunde genommen nahtlos via Herausforderungen der Informationsfreiheit an die Forderung der Piraten nach einem bedingungslosen Grundeinkommen anschließt.

#spackeria@Ircnet, 25-Oct-2011, 13:18
Isotopp> acid_: Ich mag den Bogen von ‘Neue Kommunikations- und Überwachungsmedien -> Transparente Gesellschaft -> essentiell anarchie-fähige Gesellschaft, Grundeinkommen, Star Trek’

Womit wir dann spätestens bei Star Trek wieder bei Mela sind. :-)

Lena Falkenhagen nimmt in der Diskussion selbst Stellung. Sie bezeichnet sich selbst ‘kein Kopierschutz-Nazi’ und sagt, daß sie kein Problem damit habe, wenn Bücher weitergereicht, Songs kopiert oder TV-Serien aus den USA in andere Teile der Welt weitergegeben werden, wo sie noch nicht verfügbar sind. Ihre Aussage ist: “Ich anerkenne, dass es da eine Grauzone gibt, deren Definition noch getroffen werden muss.”

Ich bin mir ihr auf einer Linie, wenn sie sagt, sie habe keine Angst, daß die Menschen keine Geschichten mehr wollen, und ich habe genug Bücher von ihr gelesen (die einzigen DSA-Romane, die ich bei meiner Papierbücher-Ausmist-Aktion behalten habe, waren ihre!), um zu wissen, daß sie keine Angst vor der Konkurrenz haben muß.

Aber wenn sie schreibt: “Das Resultat eines Wegfalls des Vervielfältigungsrechts an der eigenen Geschichte […] wäre aber, dass ich mir einen Brötchenjob würde zulegen müssen, der 100% meiner Zeit frisst und nicht mehr (oder sehr eingeschränkt) schreiberisch tätig werden könnte.” (Mela schreibt sinngemäß dasselbe in Wie Kulturschaffende Geld verdienen), dann muß ich doch mal böse unfair draufhauen.

Ich bin ja in meinem Leben einige Jahre als fahrendes Volk durch die Gegend gezogen und habe Kunden für Geld glücklich gemacht, d.h. ich war das, was man gemeinhin einen Berater oder Consultant nennt. Diese Tätigkeit bringt es mit sich, daß man erstaunlich viel schreibt - in der Woche kommen da mitunter durchaus dreistellige Seitenzahlen an Prosa zusammen, und zwar genau die Sorte Prosa, die Lena Falkenhagen und Mela Eckenfels in ihre Stellungnahmen so verachten: Gebrauchs-Sachliteratur, die das Ziel hat, den Kunden arbeitsfähig zu machen und ihn so auszubilden, daß er das, was ich da getan habe, nachvollziehen und in Zukunft selber machen kann.

Der Unterschied zwischen “Werkschaffenden” (Hey, meine Texte sind keine Werke???) oder gar “Kulturschaffenden” (Angesichts solcher Anmaßungen regt sich in mir schon einige Aggression) und dem gemeinen sich prostituierenden Consultant ist der, daß diese Schaffenden ihre Werke und Ideen schützen, hegen und monopolisieren wollen, während der Consultant seine Werke in der Regel mit den Werken der anderen auf diesem Gebiet Schaffenden zusammenlegt, “Best Practice” definiert und das dann versucht, möglichst weit zu verbreiten.

Der durchschnittliche Consultant lebt davon im Mittel besser als der durchschnittliche Autor. Meinjanur.

Tatjana Azundris spitzt das noch pointierter zu. Sie schreibt:

“dass Urheber von ihren Werken derzeit kaum existieren können”

Das ist auch kein Menschenrecht. Ähnlich wie Kristian Köhntopp befinde ich mich schuldlos in der Lage, daß das was ich kreativ anstelle zu einem akzeptablen Einkommen führt, mit dem ich (auch) Leute unterstütze, die mich begeistern. Es gibt aber kein Recht darauf, von Aktivitäten auf die man Lust hat auch leben zu können. Vielleicht ist die Epoche des Zeichnens, Schreibens, Komponierens für den Lebensunterhalt einfach zu Ende; das ist kein so komplizierter Gedanke. Wenn man das nicht will, wäre es womöglich zielführender, nicht auf das Urheberrecht einwirken zu wollen, sondern auf bedingungsloses Grundeinkommen hin?

Den Mehrwert von Lektorat vermag ich uebrigens zu erkennen; den von Satz nur in Printmedien — es erscheint wagemutig, heute noch Annahmen ueber die Zielplatform zu machen.

Ansonsten stelle ich fest, dass z.B. mein Comic-Konsum sich komplett von den grossen Verlagen abgelöst hat. Nicht nur sagt mir “1x täglich” mehr zu als “1x wöchentlich”, die Comics sind einfach besser. Was bekomme ich bei DC? Alle paar Jahre fahren sie’s so an die Wand, dass sie die continuity rebooten muessen und mein komplettes Investment im Po ist. Schön fuer Neueinsteiger, schlecht fuer Bestandskunden. Was noch? Women in Refrigerators. Rape- and porn-tastic nonsense. DC haetten mich als Kundin auch dann verloren, wenn es keine Alternativen gäbe. (Das ist die gepriesene Präselektion/Filterung durch die Verlag. Ich hätte da doch lieber ein Web of Trust bzw. data mining — “Leute die ähnliche Dinge wie Sie gut fanden, mochten folgende Werke die Sie noch nicht kennen …”). Die comics die ich jetzt lese, sind schlauer, frauenfreundlicher, haben Charaktere aus Minderheiten denen ich angehöre, und ernaehren in vielen Faellen ihre Urheberinnen (Girls with Slingshots, Cat & Girl usw.). Dabei erscheinen diese comics gratis im Netz. Es ist nicht Urheberrecht das diese Frauen ernährt: “The secret ingredient is love.”

Wenn man Leute passend begeistert, geben sie einem Geld.

Auch wenn sie nicht müssen.

Wiederum: Niche und starke Fan-Bindung, nicht Verlag.

“Es gibt auch Musiker fuer die das funktioniert.”

Und da ist noch nicht mal die Frage mit drin, ob der Gini-Index irgendwann so kaputt sein wird, dass Menschen entweder nicht lesen, gratis lesen, oder raubkopieren — alles, nur nicht ein $15 Buch kaufen, weil das ein Luxusgut ist.

Auch nicht enthalten ist die Frage, ob Bücher in 10 Jahren noch zu Aufmerksamkeitsspannen der tl;dr-Generation passen werden. Ich selbst habe schon heute Bücher weitgehend durch Wikipedia-Artikel (zum Lesen) und podcasts bzw. TED und Stanford-Videos (zum Hören und dabei Einschlafen) ersetzt, und ich kann mich noch erinnern, als eine Bibliothek meine Erziehungsberechtigte war.

We’ve come a long way.

Ende des unfair Draufhauens.

Ab dieser Stelle bricht die ganze Diskussion in dem Googe Plus Text ein wenig zusammen, unter anderem weil angefangen wird, Kopieren von Texten oder Konzepten mit dem Diebstahl in der Dinglichen Welt gleichzusetzen. Die Tatsache, daß das genau nicht gleich ist, ist die Ursache für die Alternative, die ich in Falscher Planet, falsches Jahrtausend stelle und die Christian Buggedei und Acid in ihren Texten zitieren. Die Tatsache, daß das genau nicht gleich ist, ist die Ursache für den Strukturwandel, den ich versucht habe, in langen Beispielen und Linklisten zu illustrieren.

Und dieser Strukturwandel ist so gewaltig, daß das Urheberrecht oder veränderungen gleich welcher Art an ihm weder in der Lage sind, die Situation zu verändern noch den Wandel auch nur zu verzögern. Wie ich oben schon sagte: Das Urheberrecht ist nicht der Punkt, über den sich Lena Falkenhagen und Mela Eckenfels sorgen machen müssen.

Und das ist auch der Grund, warum eine Antwort auf diese Frage nicht von der Piratenpartei alleine kommen kann. Wobei deren Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens wahrscheinlich schon einen guten Schritt in diese Richtung geht.

Lothar Gesslein bringt es auf den Punkt:

Mich, der jeden Abend ein E-Book liest, mehrmals pro Monat einen digitalen Film zuhause guckt, seit Jahren keine CD mehr gekauft hat und trotzdem oft Musik hört, betrifft diese Debatte genauso im Kern meiner Lebensrealität und -qualität wie den Autor, Filmemacher, Musikant der seine Brötchen bezahlen muss.

Selbstverständlich haben die Erschaffer ein (moralisches) Recht zu diktieren unter welchen Bedingungen sie bereit sind weiter kreativ zu sein. Die Konsumenten haben aber genauso ein (moralisches) Recht zu diktieren unter welchen Bedingungen sie noch bereit sind die Finanzierung zu leisten.

Am Ende muss man sich einigen, weil der Eine nicht ohne den Anderen kann.