Johannes Caspar, Hamburgischer Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, sieht durch die Einführung des Internetprotokolls IPv6 den Datenschutz im Internet gefährdet. Er fordert den Gesetzgeber dazu auf, die Provider dazu zu verpflichten, dass sie IP-Adressen weiterhin dynamisch vergeben. – Heise Netze

Schon seit vielen Jahren versteifen sich Sicherheitsbehörden, Abmahnszene und viele andere Leute auf die Idee, daß eine IP-Nummer (zu einem gegebenen Zeitpunkt) eine Person identifiziert. Das führt fast schon traditionell zu abschreckenden Hausdurchsuchungen bei Betreibern von tor-Servern und anderen seltsamen Randerscheinungen.

Nicht ganz so lange, aber schon fast so lange gibt es die Erkenntnis, daß so eine IP-Nummer irgendwie gar nix beweist auch wenn das den entsprechenden Bedarfsträgern weitgehend egal ist.

Anders herum hätten wir nun mit IP V6 endlich die Gelegenheit, feste IP-Nummern und sogar Netze für daheim zu bekommen und so allen möglichen Arten von Diensten aufzubauen, die vorher nur unter Schmerzen und Performanceproblemen zu realisieren waren. Nun kehrt sich die Sachlage um, und Datenschützer sind der Meinung, daß eine IP-Nummer irgendetwas beweist und wollen daher statische IP-Nummern weg haben.

Die Logik erschließt sich mir nicht. Wenn ich Anonymität haben will, dann muß ich sie selber erzeugen. Das wissen eben genau diese Datenschützer auch, haben sie doch selber AN.ON selbst betrieben und tor propagiert, und an Papieren über Anonymitätdefinitionen mitgewirkt.

Die Einlassungen von Herrn Caspar sind auf viele verschiedene Weisen unsagbar dumm. Er propagiert mit seiner Forderung die vollkommen falsche Idee, dynamische IP-Nummern würden vor irgendetwas schützen, wenn es darauf ankäme: Inhaber einer dynamischen IP-Nummern zu einem gegebenen Zeitpunkt sind aufdeckbar und identifizierbar, die benutzten Werkzeuge sind auch ohne IP-Nummer trackbar, und Personentracking funktioniert oft mit mehreren Signalen, etwa Browserstrings, Cookies und Flash-Cookies. IP-Nummern zu wechseln hat keine Schutzwirkung.

Der Verzicht auf statische IP-Nummern hat außerdem den Nebeneffekt, daß damit das Anbieten von dezentralen, selbst betriebenen Diensten erschwert wird, und das Internet als Konsumenten-Anbeiter-System statt Peer-2-Peer System zementiert wird. Caspar, der Datenschützer, spielt so großen, zentralisierten Diensteanbietern außerhalb der Jurisdiktion von Deutschland in die Hände.

Diese Art von Datenschutz schützt niemanden. Im Gegenteil, sie ist Bestandteil des sich selbst erhaltenden, innovationsfeindlichen “Systems Datenschutz” in Deutschland, und genau der Grund für das Entstehen der Spackeria (@fasel bei der Spackeria zum selben Thema).