Ich habe letztes Jahr hier und hier ja schon mal was über “intelligente” Stromzähler geschrieben, zu deren Einbau wir ja nun alle verpflichtet sind, wenn wir renovieren oder neu bauen.

Das Thema rollt nun auch langsam in das Licht der Öffentlichkeit, etwa schreibt der Spiegel in Teure Ersparnis:

Das Sparpotential des intelligenten Stromnetzes werde “enorm überschätzt”, resümiert Energieberater Klafka. Zuweilen verursache ein intelligenter Zähler sogar erst mal zusätzlichen Stromverbrauch, weil die Tarifdaten rund um die Uhr übertragen werden müssen. Eine dazu nötige permanente DSL-Verbindung verschlingt pro Jahr rund 131 Kilowattstunden. Zum Vergleich: Ein moderner Kühlschrank benötigt weniger als 100.

Dagegen steht eine potentielle Ersparnis, die wahrscheinlich potentiell bleibt:

Es ist nämlich nicht damit getan, den Stromverbrauch nur um Minuten zu verschieben, selbst einige Stunden reichen oft nicht aus. Die Intervalle von windstillen Phasen beispielsweise erstrecken sich manchmal über 36 bis 48 Stunden. Diese Spanne überfordert selbst den geduldigsten Verbraucher.

Noch gar nicht thematisiert werden die Sicherheitsaspekte der Zähler, das wird erst nach der ersten großen Katastrophe der Fall sein.

Nachtrag: Jemand fragte: “Warum messen die Versorger eigentlich nicht an den letzten Umspannstationen vor dem Kunden?” Das würde für die Lastplanung wahrscheinlich mehr Sinn haben - weniger Meßpunkte und daher mehr Etat für sinnvolle Sicherheitsmaßnahmen notwendig, der Meßpunkt unter Kontrolle des Systembetreibers und auch keine Privacy-Issues, die man diskutieren müßte. Ein Intelligenter Stromzähler beim Kunden ist dann aus Sicht des Netzbetreibers natürlich weitgehend überflüssig.

Nachtrag 2: Wir haben das eben noch mal weiter diskutiert, und uns gefragt, für wen diese Daten denn sinnvoll sind. Für den Bewohner eines Haushaltes eher nicht - die meisten der mitredenden Geeks hätten solche Daten schon gerne, aber mit besserer Auflösung, also pro Zimmer, Sicherung oder Gerät runter gebrochen.

Für den Energieversorger ist es sicherer und besser, das an der Umspannstation zu messen und diese Daten zur Bedarfssteuerung zu verwenden, zumal die Fernauslesung dieser Geräte sowieso optional ist.

Sinn haben Intelligente Stromzähler nur, weil sie mit dem Abrechnungspunkt zusammen fallen und pro Abrechnungspunkt ein anderer Stromanbieter gewählt werden kann. Das heißt, mit den Daten von einem Intelligenten Zähler wird vor allen Dingen die Abrechnung der Stromanbieter untereinander schneller und genauer und damit die Liquidität im Strommarkt verbessert. Einen direkten wirtschaftlichen Nutzen hat das Ganze also eher nicht, sondern die Aktion dient eher nur Markt-Ermöglichung und -Beschleunigung.