In Kennzeichen Digital beim ZDF schreibt Mario Sixtus einen ganz wunderbaren Text über die ganze Google Streetview Hysterie. Kernpunkt:

Ein interessanter Effekt des Netzes ist es, theoretische Rechte in praktische zu verwandeln. Das allgemeine Grundrecht auf freie Meinungsäußerung machte sich beispielsweise in der Pre-Netz-Ära sehr hübsch im Grundgesetz und in Sonntagsreden. Abgesehen von Flugblättern, Leserbriefen und Stammtischansprachen hatte der gemeine Bürger allerdings kaum eine Möglichkeit, von diesem Recht Gebrauch zu machen.

Das Netz hat nun dieses theoretische Recht in ein praktisches verwandelt. Dies finden die publizistischen Eliten von gestern zwar immer noch nicht sonderlich toll, und sie reagieren meist noch ziemlich zickig auf die Neuankömmlinge aus der Blog-Fraktion, aber kein echter Demokrat würde letzteren ernsthaft die Netz-gegebene Möglichkeit streitig machen, ihr Grundrecht auf Meinungsäußerung nun endlich auszuüben.

Mit dem öffentlichen Raum verhält es sich ähnlich. Sich frei durch Straßen und über Plätze zu bewegen ist unser aller gutes Recht und dazu gehört auch, die darumstehenden Gebäude anzuschauen. Wem das nicht passt, der kann sein Haus mit einem hohen Zaun oder einer Mauer umgeben.

Den ganzen Text gibt es hier. Ergänzend dazu auch der Artikel

Es gibt kein analoges Leben im Digitalen von Michael Seemann, der erklärt, warum die alten Leute mit Kugelschreibern auf Streetview so heftig reagieren, und wieso das im Grunde egal ist.

Mir ist bewusst, dass der gesellschaftliche Diskurs hier erst am Anfang steht. Aber gestern standen wir noch davor. Der Kontrollverlust ist heute im Mainstream angekommen. Willkommen in unserer Welt.