Sturm über roten Wassern, Scott Lynch, EUR 16.00, 944 Seiten.

Nach den Lügen von Locke Lamora stellte ich erfreut fest, daß es einen zweiten Band gibt.

Die Folgen der Ereignisse in Camorr haben es notwendig gemacht, daß Locke und sein Freund die Stadt verlassen. Nach einigen Verwicklungen landen sie in Tal Verrar, wo sie das Projekt beginnen, ein großes und sehr gut gesichertes Spielcasino auszunehmen. Doch auch hier werden sie in politische Verwicklungen hineingezogen: Die Stadt wird von einem Rat regiert, der die Regierungsgewalt an einen Archonten abgetreten hat - nur vorübergehend natürlich, bis das Piratenproblem behoben ist. Das ist es nun, und der Archont hätte gerne wieder mehr Piraten, der Rat die Macht zurück, die Piraten bestehen ebenfalls aus mehreren Fraktionen und Locke hat außerdem immer noch Ärger mit den Soldmagiern aus Band 1, die sich als überaus nachtragend erweisen. Die Gentleman-Ganoven stehen jetzt vor dem Problem, die verschiedenen Interessengruppen gegeneinander auszuspielen, auf hoher See zu überleben und außerdem noch ihren Casino-Coup durchzuziehen.

Scott Lynch wechselt den Erzählstil ein wenig, denn der einführende Lost-artige Rückblendenstil aus dem ersten Teil würde nun, da die Vorgeschichten der Charactere bekannt sind, nicht mehr funktionieren. Stattdessen weitet er den Fokus aus, und zeigt dem Leser mehr Orte und Hintergrund seiner Erzählwelt, ohne zu viel an Erzähltempo zu verliere. Wenn man sich darauf einläßt, bekommt man eine Geschichte mit einer cinestisch aufgemachten Handlung, die noch mehr an eine gute Shadowrun-Story in einer Fantasywelt erinnert als es schon der erste Teil tut.