Die Lügen des Locke Lamora, Scott Lynch, EUR 14.00, 848 Seiten.

Via Heiko fand sich neulich Die Lügen des Locke Lamora auf dem Wohnzimmertisch und ich bin übel dran hängen geblieben.

Eine Diebesgeschichte. Camorr, eine Stadt wie ein übel korrumpiertes Venedig, in der sich noch die Überreste einer älteren, höheren Zivilisation finden. Locke Lamora, ein Waisenkind, das zum Dieb erzogen wird und den Geheimen Frieden zwischen dem Adel und der vom Adel geduldeten Diebesgilde bricht: In komplizierten und ineinander verschachtelten Plots und Hochstapeleien ziehen Locke und seine Gang, die Gentleman-Gangster die Reichen und Mächtigen der Stadt ab. Bis sie in den Plot eines anderen geraten, der Rache will.

Man stelle sich eine Fantasy-Gegend nicht unähnlich den Küstenstaaten in Midgard vor, in denen der Autor Geschichten im feinsten Stil von Shadowrun erzählt, mit Plänen innerhalb anderer Pläne und Verrat an Verrätern.

Scott Lynch erzählt die Geschichte der Gentleman-Ganoven und ihrer Coups, und schneidet immer wieder Rückblenden ein, in denen er auf die einzelnen Gangmitglieder fokussiert und ihre Geschichte und ihren Werdegang beleuchtet, um die Charactere besser zu zeichnen. Parallel dazu legt er in der Haupthandlung ein halsbrecherisches Tempo vor, in dem eine Überraschung oder Eskalation die nächste jagt. Am Ende macht der Held mal gerade so seinen Schnitt - aber was dazwischen passiert ist spannend zu lesen.