Auf dem wunderbaren Blog Netzwertig findet man Zeitverschwendung vs. Effizienzgewinn:

Man kennt sie ja, die Klagen über verschwendete Zeit am Arbeitsplatz. Anstelle produktiv zu sein und ihren Job zu erledigen, surfen Angestellte bei Facebook, Twitter und YouTube – und fügen damit Firmen erheblichen Schaden zu. So zumindest sehen es viele Unternehmen und blockieren daher den Zugriff auf einschlägige Sites des Social Web. 54 Prozent der US-Unternehmen sperren Social Networks komplett, so eine aktuelle Studie.

Martin Weigert versucht zu erklären, warum solche Aktivitäten nicht schlimm sind, scheitert aber, weil er zu kurz greift:

Doch lediglich zu kritisieren, Facebook & Co würden die Produktivität vermindern, ist nur die halbe Wahrheit. Die Tatsache des Effizienzgewinns durch die Digitalisierung sollte man keinesfalls vernachlässigen. Hier lässt sich erheblich mehr gewinnen, als auf der anderen Seite Zeit zu verlieren ist.

Es gibt noch einen anderen Aspekt, der viel wichtiger und weitgehender ist und den er nicht erwähnt.

In meinem früheren Leben als Datenbank-Consultant bin ich viel als Fremder in Firmennetzen gewesen und oft nicht richtig in deren IT-Infrastruktur integriert gewesen: Jedes mal, wenn ich bei einem Kunden aufgeschlagen bin, war einer der ersten Handgriffe, Vernetzung herzustellen und meinem Laptop einen Weg nach draussen ins Internet zu bahnen - und das nicht nur für das Web, sondern auch für alle anderen Dienste. Erst in zweiter Linie habe ich dann das Problem gelöst, im Netz des Kunden auf deren Datenbankserver zugreifen zu können.

Bei einigen Kunden war das nicht so leicht möglich, weil deren Firewalls die Mitarbeiter und mich so weit isoliert haben, daß ich keinen Zugriff auf die Außenwelt bekommen konnte. Solche Aufträge waren immer besonders schwierig und für den Kunden nicht sehr produktiv.

Warum war es mir so wichtig, raus zu kommen, wo ich doch für die Kundendatenbanken gekommen bin?

Wenn ein Kunde mich als Consultant mietet oder mich als Mitarbeiter einstellt, dann bekommt er nicht bloß mich, sondern er bekommt auch einen sehr großen Teil von Infrastruktur, der nicht sichtbar ist - ich bin ein Cyborg und neben einer biologischen Komponente bestehe ich auch noch aus einer technischen und vor allen Dingen auch aus einer sozialen Komponente, einem Netzwerk von Verbindungen, Bekanntschaften und Freundschaften, die es mir ermöglichen, weitaus mehr zu leisten als ich es als eine rein auf das biologische reduzierte Person jemals könnte.

Durch meine Art zu Leben bin ich Always-On. Ich schrieb in Falscher Planet, falsches Jahrtausend:

Ich reiste beruflich fast drei Jahre durch Europa und die USA, aber ich war immer zu Hause - Eastern Standard Tribe oder in meinem Fall der Stamm der MESZler war immer für mich erreichbar, wo immer ich war: Ich habe nicht mehr oder weniger Kontakt mit meinen Freunden gehabt bloß weil ich mal ein paar Wochen auf einem anderen Kontinent war.

Mein Griff zum externen Netzwerk dient dazu, diesen Teil meines Ich wieder anzuschließen und für mich wie auch für meinen jeweiligen Auftraggeber wieder verfügbar zu machen: Dadurch bin ich in der Lage, Antworten auf Fragen schneller zu finden, Ideen aus meinem Netz zu ziehen und für mich nutzbar zu machen, Hinweise und Verweise aufzupicken und generell sehr viel produktiver zu sein als ich es ohne Netz wäre.

Apophenia beschreibt in I want my Cyborg life wie das funktioniert, was ich (und jeder andere, der unter das ‘Lebensgefühl der Piraten’ fällt) da tue. Sie beschreibt einen Konflikt zwischen einem Offliner und sich:

In Italy two weeks ago, I attended Modernity 2.0 (in the lovely Urbino hosted by the fantastic Fabio Giglietto). There were two audiences in attendance - a young cohort of “internet scholars” and an older cohort deeply invested in sociocybernetics. At one point, after a talk, one of the sociocybernetics scholars (actually, the former President of the sociocybernetics organization… I know… I looked him up) began his question by highlight that, unlike most of the audience who seemed more invested in the internet than scholarly conversations, HE had been paying attention. He was sitting next to me. He looked at me as he said this.It’s not very often that I feel like I’ve been publicly bitchslapped but boy did that sting. And then I felt pissy, like a resentful stubborn child bent on proving him wrong. Somehow, as I grew my hair out and became an adult, I also became less spiteful because boy was I determined to bite back. Of course, I haven’t become that much of an adult because here I am blogging the details of said encounter.There’s no doubt that I barely understood what the speaker was talking about. But during the talk, I had looked up six different concepts he had introduced (thank you Wikipedia), scanned two of the speakers’ papers to try to grok what on earth he was talking about, and used Babelfish to translate the Italian conversations taking place on Twitter and FriendFeed in attempt to understand what was being said. Of course, I had also looked up half the people in the room (including the condescending man next to me) and posted a tweet of my own.

Die ständige Verfügbarkeit von Netz und Connectivity verändert das Arbeiten und den Umgang miteinander radikal. Nicht nur ist es für viele meiner Freunde weitgehend egal, in welcher Stadt oder auf welchem Kontinent ich die letzten paar Jahre gelebt habe, sondern das Netz erlaubt mir auch, Informationen ‘in Echtzeit’ aufzusammeln und mein Wissen im Vorübergehen anzupassen und zu komplettieren. Darum sehe ich mit einem Laptop auf dem Schoß fern - immer ein Wikipedia- und IMDB-Fenster offen - und darum brauche ich auch Netz nach draußen, wenn ich irgendwo arbeite.

Als MySQL Consultant hat mir das Zugriff auf das Handbuch, den Support IRC-Server und meine Kollegen bei anderen Kunden gegeben, bei meiner jetzigen Arbeit gibt es mir Zugriff auf meine ehemaligen Kollegen aus einer Reihe von vergangenen Jobs, auf Ex-Kunden, die inzwischen anderswo arbeiten und gute Bekannte geblieben sind, und auf viele Nachschlagequellen, an die ich mich erinnere, aber die ich neu suchen muß, wenn ich wirklich damit arbeiten wollte. Plus eine Riesenwelle an News, RSS, Tweets und Mail sowie drei bis vier verschiedene Chatsysteme, die mich nahe bei den Leuten hält, die mir wichtig sind.

Ein Arbeitgeber, der so etwas abtrennte, bekäme eine kleinere Person und einen weitaus schwächeren Mitarbeiter - für die Zeit die ich überbrücken müßte, bis ich eine richtige Stelle gefunden hätte. Denn so werde ich dauerhaft nie arbeiten wollen.