Ab 2010 soll ja die Umrüstung von Stromzählern auf sogenannte Smart Meter verpflichtend werden. Das sind kleine embedded Computer, die den Stromverbrauch eines Haushaltes laufend an den Stromanbieter zurück melden. Der “Vorteil” für den Verbraucher ist ein tageszeit-abhängiger Strompreis. Von den Sicherheits- und Datenschutzaspekten mal abgesehen - was sind eigentlich die Konsequenzen für den Stromverbrauch durch die Zähler selbst?

In Deutschland gibt es laut Destatis 39.7 Millionen Haushalte. Das kann man also mal als Mindestanzahl der Stromzähler in Deutschland ansetzen, anderswo sind 44 Millionen Zähler in Deutschland gemeldet.

Die Frage war nun: Wenn man also 44 Mio embedded Computer in Deutschland installiert, wie viel Strom verbrauchen die? Die Antwort ist überraschend.

Ein Gerät wie das EM-1021 (PDF, via Quelle 7 aus Intelligenter Zähler von Echelon verbraucht angeblich zwischen 2 und 5 Watt. Das ist überraschend wenig, und kann nur dann stimmen, wenn man entweder nur Werte für den Wandler und nicht für den Rechner angibt, oder wenn man einen sehr langsamen und leistungsschwachen Rechner da eingebaut hat.

Tatsächlich behauptet Smartmetering als neue Effizienzquelle (PDF) sogar, daß ein solches Smart Meter substantiell weniger Eigenstromverbrauch hat als ein alter Ferraris-Zähler, dessen Eigenverbrauch im Jahr mit 30 kWh/a angegeben wird (das sind dann etwa 3.5 Watt Aufnahme, wenn ich nicht zu naiv gerechnet habe). Das Papier gibt ein Einsparpotential von 900 bis 2500 Gwh/a an.

Das glaube ich so erst mal nicht, aber wenn wir da plus/minus 0 rauskommen wäre es ja zumindest hier mal kein Verlust.

Warum glaube ich das so erst mal nicht?

Einmal träumen die Stromversorger von Zusatzanwendungen, zum Beispiel Geräte im Haushalt ferngesteuert ein- und ausschalten zu können. Wenn diese Dinge vom Zähler aus implementiert werden sollen, kann man nicht unbedingt von einer leistungsschwachen CPU am Zähler ausgehen.

Andererseits ist es so, daß der Zähler eine gewisse Mindestleistung auf der CPU haben muß, wenn er denn die Sicherung der ganzen Kommunikation und Steuerung durch passende Krypto implementieren können soll. Man hat also die Wahl, Strom zu sparen und das System leicht hackbar zu machen oder halt ordentlich kryptographisch abzusichern und dafür mehr Watts zu lutschen.

Und schließlich müssen diese Zähler, wenn sie denn tun sollen, was man sich von ihnen verspricht, auch noch irgendwie ans Internet angeschlossen werden. Dazu soll Powerline-Technologie verwendet werden, da die meisten Leute an den Orten, an denen die Zähler hängen, keine DSL-Router stehen haben. Man muß zum Verbrauch also noch das Powerline-Ethernet-Gegenstück neben seinem eigenen DSL-Router dazu rechnen, wenn der Zähler seine Daten Richtung heimischer DSL-Router ausleitet. Oder der Zähler leitet seine Daten Richtung Stromnetz aus, wo man in den Umspannstationen und höher Empfänger, Router und anderes Strom verbrauchendes Equipment haben muß, das auch zu bilanzieren wäre.

Der Punkt ist der Folgende: Setzt man für das ganze Spielzeug mal 15 Watt Mehrverbrauch an, kommt man knapp auf eine Vervierfachung des Verbrauches gegenüber einem Ferraris-Zähler, also etwa 120kWh/a.

Nachtrag: Die Sache mit Powerline hat auch noch andere aufregende Nebenwirkungen. Powerline strahlt nämlich wie Sau EM-Störungen von nicht abgeschirmten Stromleitungen in die Nachbarschaft. Das ist nicht nur ein Sicherheitsproblem, sondern auch ein echtes Problem mit der Verdreckung des EM-Spektrums. Man will keine 44 Millionen Störsender in Deutschland ausrollen.

Je mehr ich mich mit dem ganzen Smart Meter Unsinn befasse, desto mehr kommt mir das vor wie Gesundheitskarte 2.0.