Auf dem letzten CCC gab es einen ziemlich schlechten Vortrag zum Thema Cyborgs. Jedenfalls fand ich die These “Wir sind alle Cyborgs, weil wir jeden Tag technische Hilfsmittel benutzen” ziemlich affig und so nicht haltbar. Schließlich geht es bei einem Cyborg um die Integration von Technik und Organik in einem symbiotischen Organismus.

Auf der anderen Seite war hier im Haushalt am letzten Donnerstag das CPE der DSL-Leitung kaputt gegangen und unser Haushalts-Server aus dem Netz gekippt.

In Folge waren wir beide Haushaltsinsassen bis zum Eintreffen eines Ersatzgerätes auf UMTS reduziert und ich habe bemerkt, wie sehr sich mein Leben inzwischen um die ständige Verfügbarkeit von Bandbreite und CPU gruppiert. Nicht nur, daß das Arbeiten von zu Hause einigermaßen anstrengend ist, Mail nicht richtig geht und ich aus den diversen IM-Netzen kippe.

Auch mein Freizeitverhalten ist betroffen: Ich meine, ich kann nicht mal fernsehen, wenn ich nicht nebenbei meinen Laptop auf dem Schoß habe und ich Wikipedia, IMDB und Google benutzen kann, um Informationen aus der Glotze um das übliche Hintergrundrauschen von Tiefeninformation zu ergänzen.

Und ich kann mich Leuten, mit denen ich mich unterhalte, nicht richtig mitteilen, wenn ich an die URLs nicht komme, mit denen ich sie bewerfen will, um Kontext herzustellen. Oder wenn ich den Kontakt zu den Menschen, die mir wichtig sind, nicht halten kann, weil nicht genug Netz da ist, um sie zu erreichen.

Insofern: Manche würden es Internetsüchtig nennen, aber das ist eine Verkennung der Tatsachen. Ich bin ein Cyborg. Ohne das Netz bin ich ein beschränkteres, kleineres und weniger mächtiges Wesen, alleine und einsam gefangen in den toten, offlinen Wänden meines Heims. Vielleicht ist an einigen Aspekten von diesem Cyborg-Vortrag doch mehr dran, als der Schwall nebulösen Gelabers dort vermuten läßt. Ich muß mir den Stream noch mal runter laden und in Ruhe ansehen.

Gleich mal den Torrent anwerfen. Das Netz geht ja wieder.