Zur Zeit lese ich gerade The Origin Of Wealth, ein Buch, das dem Namen nach über Volkswirtschaft ist. Es beginnt aber mit einer Tour durch die Wirtschaftstheorie und einer Kritik derselben, um sich dann erst einmal dem Thema zellulare Automaten zuzuwenden und über verschiedene Simulationsexperimente mit agentenbasierten verteilten Systemen diskutieren. Der Autor,

Eric Beinhocker zeigt dann, wie solche Systeme dieselben Ergebnisse bringen können wie traditionelle Wirtschaftstheorie, nur genauer und mit weniger Aufwand.

Das Buch hat einen starken Bezug zu Growing Artificial Societies, dem Sugarscape-Buch.

Die Autoren beschreiben Sugarscape so:

On a small, bagel-shaped planet, tribes of natives—collectively known as “agents”—go about their lives. They reproduce. They eat. They travel. They squabble over limited resources, or trade them if doing so is to their mutual advantage. They exist entirely in a computer.

Axtell und Epstein gelingt es, wesentliche Prozesse und Verteilungen, die wir in der richtigen Welt beobachten können, in Sugarscape mit Agenten nachzustellen, deren Regelsatz auf eine halbe Druckseite paßt. Die Sugarscape-Agenten generieren Märkte und Preisfindungssysteme, Paretoverteilungen, Power-Laws, aber eben wie in der realen Welt nur fast und mit den lokalen Abweichungen und quasi-zufälligen Schwankungen, die wir entgegen herkömmlicher Wirtschaftstheorie beobachten können. Sie können mit einem passenden Regelsatz auch evolutionäre Entwicklungen nachvollziehen und iterativ lokale Maxima finden und zwar in einer Landschaft, die nicht zwingend statisch ist.

Beinhocker referenziert auch Murray Gell-Mann, der sich in The Quark and the Jaguar und am SFI ebenfalls mit komplexen adaptiven Systemen und zellularen Automaten beschäftigt und der die Arbeiten auf diesem Gebiet wesentlich beeinflußt hat.

Für mich war das Buch unerwartet spannend - die meisten Wirtschaftsbücher fand ich bisher langweilig und die Mathematik darin hielt ich für suspekt, weil die Annahmen, die gemacht werden mußten, damit die Mathematik funktionierte ziemlich unrealistisch waren. Das Buch bestätigt nicht nur mein natürliches Mißtrauen gegen diese Methoden, sondern erklärt auch, warum sie notwendig waren und findet andere, einfachere Methoden, die Sachverhalte genauer auszudrücken und bessere Ergebnisse zu bekommen.

Wer sich mehr für Biologie interessiert kommt ebenfalls auf seine Kosten, weil man im Vorderteil des Buches eine der besten und portabelsten algorithmischen Beschreibungen von Evolution bekommt, die ich bisher gesehen habe.